Krieg der Gefallenen, Teil 3

7. Gozran, 4679 AK

Die Schlachtfelder in den Hochebenen um Janderhoff waren oft nicht viel mehr als eine kleine Bergwiese unter einem Außenposten oder ein Pass zwischen den Gipfeln der Irrsinnsberge. Es verging kein Tag an dem nicht die Toten beweint und besungen, die Geschichten von gefallenen Kriegshelden erzählt und aufgeschrieben wurden. Bei Nacht oder bereits zum Abendrot begann das Blutvergießen wieder von Neuem. So trafen die Truppen der Zwerge auch an diesem Abend auf die brandschatzenden Orkhorden aus dem Norden.

Die Schlacht wurde auf einem steilen Berggrat ausgetragen, der den Zwergen, die die Position der Verteidiger einnahmen, zu einem deutlichen Vorteil verhalf. Im Tal hatten sich bereits die grölenden Orks versammelt, die jeden Augenblick einen mörderischen Ansturm bergauf wagen konnten. Die wilden Krieger schlugen rhythmisch auf ihre Panzer, dunkle Eisenplatten mit Stacheln, die sie mit dem Blut ihrer Opfer bestrichen oder mit Knochensplittern von besiegten Feinden verziert hatten. Als Waffen dienten ihnen die Äxte, Schwerter oder Hämmer aus vorangegangenen Beutezügen, nur wenige führten noch die primitiven Speere, die sie selbst angefertigt hatten. Ihre Anführer waren mit hochwertigeren Klingen aus den Schmieden Urglins ausgestattet, während den bestialischen Vorkämpfern Rovagugs die eigenen steinharten Fäuste genügten. Das rhythmische Schlagen wurde immer schneller bis es plötzlich verstummte.

Dann eröffnete der ohrenbetäubende Schrei eines monströsen Feldherrn das Blutbad. Eine dunkle Wolke flog den Hang herauf. Der Pfeilhagel konnte bei den vorbereiteten Kriegern aus Janderhoff zwar nicht viel Schaden anrichten, jedoch hatte er den grünhäutigen Fußsoldaten genügend Feuerschutz geboten, dass diese ein beachtliches Stück zu den bärtigen Verteidigern aufschließen konnten. Während die Goblinsklaven der Orks erneut geschwärzte Pfeile auf die Sehnen ihrer Kurzbögen legten, antworteten die Zwerge mit einer Salve aus ihren gefürchteten Repetierarmbrüsten. Die Bolzen rissen die erste, die zweite und sogar ein paar aus der dritten Reihe der Angreifer von den Beinen, doch es schien als stünden hinter den Gefallenen hunderte bereit ihren Platz einzunehmen. Wenige Momente später krachte die dunkle Welle von Orks in den schimmernden Schildwall der Zwerge. Nur vereinzelt durchdrangen die Speere oder Klingen der wilden Horden den Stahl aus Janderhoff, noch weniger Angreifer fanden gar eine Lücke in der Verteidigung. Mit Hammer und Axt spalteten die Zwerge nun die Schädel der Orks, die geifernd über ihren Schild lugten.

Aus der zweiten Reihe legten die Priester Torags ihre Hände auf die Wunden der Verletzten und schlossen diese wieder mit Gebet und Glauben. Der bloße Aufprall von Ork auf Zwerg stieß ein paar der Novizen zu Boden, die nun verzweifelt im Chaos der Schlacht versuchten die Orientierung wiederzuerlangen. So auch Balendil Eisenfaust, ein Heiler in den Diensten der Kirche des Torag. Er hatte heute Ovur Goldhammer, einen hochrangigen Kriegspriester und Mentor, mit ins Feld begleiten dürfen, um mehr Erfahrung zu sammeln, denn die Zwerge waren mehr als siegessicher. Der junge Zwerg hatte immer davon geträumt einst in die Dienste des Ordens des Amboss zu treten und neben den Paladinen Janderhoff, die Heimat seines Volkes zu verteidigen. Wild entschlossen zu kämpfen stand er auf, spukte sein eigenes Blut auf den Boden des Schlachtfelds und löste seine Waffe vom Wehrgehänge.



Die Reihe begann mit Teil 1 und wird mit Teil 4 fortgesetzt.

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