Krieg der Gefallenen, Teil 6

29. Rova, 4682 AK

Die Zwerge hatten nur wenige Wochen gebraucht die Orkhorde zu zerstreuen, die über Jahre hinweg die Ländereien Janderhoffs heimgesucht hatte. Sie trieben die wilden Krieger auf die zahlreichen Gipfel der Irrsinnsberge hinauf, wo sich die grünhäutigen Räuber mit verschiedenen Riesenvölkern verbündeten. So stand ihre Hauptstreitmacht an diesem grauen Tag nicht nur Orks, sondern auch Ogern, Trollen und Hügelriesen gegenüber. Ihre blutrünstigen Gegner gehörten keinem Klan an, kein Banner, keine Farbe einte sie. Es war einzig und allein der Hass auf die friedfertigeren Völker der sie verband.

Ein kalter Wind schnitt in die entschlossenen Gesichter der Soldaten aus Janderhoff und der wenigen, verbliebenen Kreuzfahrer Iomedaes, als sie das dampfende Hochmoor erreichten. Bereits während des mühsamen Aufstieges hatten die Riesen mächtige Felsbrocken auf die Zwerge und Menschen herabgeschleudert. Grölend hatten sie so versucht ihre Verfolger zu entmutigen. Doch es war ihnen nicht gelungen. Mit eiserner Disziplin reihten sich die bärtigen Krieger und ihre Verbündeten auf. Hinter einemm undurchdringlichen Schildwall bezogen die Spießträger mit ihren Langspeeren Stellung, dann kamen die Hammerwerfer und Armbrustschützen. Jeder Zehnte hinter den Schildträgern gebot über göttliche Magie. Es waren die Kriegspriester und Tempelritter, die Kleriker und Paladine der Gottheiten Torag und Iomedae.

Auf der anderen Seite des gurgelnden Feldes, im Schatten der Berge, ragten die hünenhaften Räuber aus den undurchsichtigen Nebelschleiern des Moores. Ungezügelte Schreie, angsterfülltes Kreischen und Gebrüll das rollenden Felsbrocken glich, erklangen unter ihren ungeordneten Reihen. Pfeile, Speere und Steine schossen aus dem Nebel und flogen über das Hochmoor auf den Schildwall zu. Die Gotteskrieger bestärkten ihre Waffengefährten mit Gebet und gutem Zuspruch, so wich weder Zwerg noch Mensch zurück. Geräuschvoll durchbrachen die unterschiedlichsten Geschosse die Oberfläche des Moorwassers. Braungrüne Wassersäulen spritzten empor und nahmen den Kriegern aus Janderhoff die Sicht auf ihre monströsen Gegner.

Als das Echo dieses unheilvollen Regens verklungen war und sich das Moor wieder beruhigt hatte, herrschte eine unheimliche Stille auf dem Schlachtfeld. Die Schatten im Nebel waren verschwunden. Fragend blickten sich die Soldaten und Tempelritter an. Ovur Goldhammer sprang über den Rücken seiner Kameraden, vor den Schildwall. Er landete in knietiefem Wasser und erkannte die Falle. Das tückische Moor sollte die Ordnung der Streitkräfte Janderhoffs auflösen, damit die feigen Räuber aus dem Schutz des Nebel über sie herfallen konnten. Im Gebet schwang er seinen heiligen Hammer, während er sich auf einen moosbewachsenen Felsen zog. Mit einem einzigen Hammerschlag auf die Wasseroberfläche schuf er eine dunkle Eisscholle. Der Kriegspriester gab den Befehl zum Angriff und die Soldaten rückten vor.

So beschworen die Kleriker eine Brücke aus Eis für ihre Waffengefährten, aber änderten auch die breite Formation des Schildwalls auf einer Höhe zu einem langen Speerkopf von Nahkämpfern ohne den vollen Rückhalt von Armbrustschützen und Hammerwerfern. Begleitet von lautem Gebrüll krachten die ersten Felsbrocken in den Truppenverband, obwohl die meisten der Wurfgeschosse nur das Eis zerschmetterten, kämpften die Soldaten um ihr Gleichgewicht. Dicke Risse zogen sich durch die noch immer wachsende Brücke, die plötzlich zersprang und die Armee aus Janderhoff teilte. Trolle und Oger kletterten auf die schaukelnden Eisschollen. Ihre Keulen und Krallen trafen die Panzerung der Zwerge, noch bevor die Riesen in Reichweite von Axt und Schwert waren. Vereinzelt streckten Hammerwerfer die monströsen Räuber nieder, doch die Schollen trieben auseinander und verwandelten die ursprüngliche Schlachtordnung in zersprengte kleine Gruppen. Wie große Schildkröten mit silbrigen Rückenpanzern trieben die Soldaten im stickenden Moorwasser. Scheppernd schlugen die Riesen weiter auf die unwirklichen Tiere ein, da eröffneten die Armbrustschützen das Feuer. Der Bolzenhagel riss Trolle und Oger von den Beinen, während sich Orks von überwucherten Felsen auf die Eisschollen warfen. Mit Axt und Schwert kämpften Zwerg und Mensch gegen die kreischende Horde. Sie hatten die meisten Oger in blutige Fleischberge und zahlreiche Trolle in grüne, zuckende Schleimhaufen zerteilt, als die Waffen der Orks schrill über Schild und Helm quietschten.

Nun zerfielen auch die Schildkrötenformationen zu bedrängten Einzelkämpfern. Auf jeden Zwerg kamen zwei Orks, auf jeden Menschen ein Hügelriese. In zerrissene Felle gehüllt und mit Baumstämmen bewaffnet warteten die mächtigen Räuber im Nebel auf ihre eingeschüchterten Gegner. Ein ohrenbetäubender Donner rollte über das Hochmoor, da befreite ein zweiter Schauer aus den Reihen der Armbrustschützen ihre Waffengefährten aus der Bedrängnis und schickte unzählige geifernde Grünhäute in ein nasses Grab. Dann hatten die Spießträger die Riesen erreicht und der magische Donnerschlag den ersten Hünen bereits gefällt. Die Kriegspriester führten die Soldaten von den schmelzenden Eisschollen durch das Moor. Allen voran Ovur Goldhammer. Unter der Anrufung Torags und Iomedaes war es den Streitkräften von Janderhoff endlich gelungen die verbliebenen Orks und Riesen in eine Lage zu manövrieren der sie nicht gewachsen waren. Siegessicher stürmten die Zwerge in die letzten Kämpfe dieses blutigen Tages.


Die Reihe begann mit Teil 1 und wird mit Teil 7 fortgesetzt.

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Krieg der Gefallenen, Teil 6

4 Gedanken zu “Krieg der Gefallenen, Teil 6

  1. Schöne Geschichte bis jetzt. Besonders gefiel mir natürlich die Episode mit Bregaron und Algrond. Bin schon gespannt wie es weiter gehen wird. Auch ob und wann es eine Verknüpfung zur Kadaverkrone geben wird.

  2. Vielen Dank! Noch ist es ja eine sehr generische Reihe von verhältnismäßig unzusammenhängenden Ereignissen. Es werden sich aber noch mehrere Verknüpfungen ergeben. Natürlich wollte ich zu diesem Zeitpunkt schon mehr enthüllt haben, nur die Zeit dazu fehlte…

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