4. Lamashan, 4711 AK

Lepidstadt, Pfalzgrafschaft Vieland

Der Hohepriester Kidaimoikis vermutete in der Rüstkammer am Westtor einen Grabesritter. Er befürchtete, dass die Soldaten ihn unwissentlich von den Schlachtfeldern zwischen den Feuerschaugipfeln und Raschka-Tor nach Lepidstadt getragen haben. Ein Grabesritter wäre in der Tat ein mächtiger Untoter gewesen – der unbeugsame Geist eines blutrünstigen Feldherrn dessen Kampfeslust ihn nicht zur Ruhe kommen ließ, sondern in seiner Rüstung an diese Welt kettete.

Den erfolgreichen Geisterjägern galt eine kostbare Belohnung, denn die Kirche Pharasmas versprach ein Bildnis der Verwalterin des Skein. Hierbei handelte es sich um eine Statuette, die einen Toten, dessen Seele Pharasmas Beinacker noch nicht erreicht hatte, wieder zum Leben erwecken konnte. Balduan Tarrt, Runa Corvijn und Stralicia Mancini folgten diesem Hilferuf des Hohepriesters ans Westtor.

* * * * *

Wir betraten ein niedriges Gewölbe. Staubige abgestandene Luft erfüllte die Rüstkammer. Vier gewaltige Plattenpanzer wurden im ersten Raum aufbewahrt. Es musste sich um die Rüstungen von Ogern oder Trollen gehandelt haben, aber mit Gewissheit nicht um die von Menschen. Einer der vier Haufen Metall erwachte zu unheiligem Leben. In der Dunkelheit hinter dem monströsen Visier leuchteten zwei rote Punkte auf, während zwischen den einzelnen Platten ein kränkliches grünes Licht zu sehen war.

Der Schildknappe machte einen beherzten Sturmangriff mit gezogenem Langschwert. Laut scheppernd streifte die Klinge den Brustpanzer. Orange Funken sprühten. Es folgte ein heftiger Schlagabtausch zwischen den schwer gepanzerten Gegnern; dann mischte sich auch Stralicia in das Kampfgeschehen ein. Sie sprengte mit einer ihrer Bomben den linken Arm der Geisterrüstung in den angrenzenden Raum.

Ich wagte einen Blick in das Gewölbe und sah neun weitere Rüstungen. Hier besaß nur ein einzelner Harnisch die Größe für Riesen. Lange stacheln ragten von den Metallplatten hervor und versprachen Schmerzen für jeden Angreifer seines Trägers. Geschwungene Hörner am Helm und dazu ein Visier mit Dämonenfratze erweckten den Eindruck einem wahren Scheusal gegenüberzustehen. Die anderen acht Rüstungen waren zwar für mächtige Männer geschmiedet worden, doch für Menschen oder wahrscheinlicher für Orks.

Balduan wütete noch im Vorraum, als sich in der Hauptkammer bereits die nächsten Gegner rührten. Der Schildknappe fegte noch die leblosen Panzer um und verteilte sie lautstark im ganzen Gewölbe. Ein erster Pfeil fauchte durch die staubige Luft. Zwei Geisterrüstungen nahmen die Abenteurer unter Beschuss. Die Alchemistin hielt sie mit weiteren Bomben in Schach, während die grauenvolle Dämonenzunge Runas erklang. Mit finsteren Worten bündelte die Mystikerin Sarenraes Macht Untote mit heiligem Licht zu verbrennen.

Plötzlich glitt der Dämonenhelm von den Schultern des stachelbewehrten Harnischs. Er schoss auf Balduan zu, der gerade die Rüstkammer betreten hatte. Die spitzen Hörner drohten den Schildknappen aufzuspießen, doch eine Bombe von Stralicia zersprengte den Helm zu einer Hand voll harmloser Metallteile. Mit Schwert, Alchemie und göttlicher Macht zerstörten die Raben vier weitere Geisterrüstungen.

Plötzlich sprangen die Türflügel zu einer dritten Kammer aus den Angeln. Ein untoter Reiter stürmte in die verwüstete Rüstkammer. Der „Reiter“ war der Harnisch eines orkischen Feldherrn in dessen Innerem ebenso geisterhaftes Licht wie in den Rüstungen zuvor glühte. Sein „Reittier“ war der Panzer für einen riesigen Wolf, auch in ihm erkannte ich die negative Energie des Untods. War das der gefürchtete Grabesritter?

Goldenes Licht umhüllte die Klinge des Schildknappen als er sich den beiden Rüstungen entgegenstellte. Er brüllte: „Für die Erbin!“ und stürzte sich in den nächsten Kampf. Zu dem Schlachtruf des Knappen mischten sich die widerlichen Worte der Mystikerin und ich wurde von den heiligen Flammen Sarenraes umgeben. Kurze Zeit später sah ich den „Grabesritter“ fallen, dann floh ich enttäuscht aus diesem Inferno positiver Energie.

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