8. Lamashan, 4711 AK

Schloß Karomark, Pfalzgrafschaft Vieland

Rauch stieg in den grauen Himmel über dem Dippelweihersumpf auf. Die Silbernen Raben hatten sich entschlossen, ohne offiziellen Empfang durch den Schloßherren Graf Karomark, die Nacht erneut im Torhaus zu verbringen. Und so hatte ich mit ihnen Wache gehalten. Runa war am vergangenen Tag in die reißenden Fluten der Wasserfälle gestürzt. Keiner der Abenteurer zweifelte an ihrem Tod. Besmo und Stralicia schliefen noch. Während die beiden Glaubensbrüder Balduan und Iacobus hinter dem Feuer lediglich einen Versuch fürchteten, die Verteidiger aus dem Torhaus zu locken, beschloss ich dem Ganzen auf den Grund zu gehen!

* * * * *

Neben einem kleinen Scheiterhaufen aus Sumpfgräsern, Schilfrohr und verkrüppelten Ästen nicht weit von Schloß Karomark stand Tira Krähenfuß mit einer Fremden in den rotschwarzen Gewändern der pharasmischen Inquisition. Äusserst vorsichtig näherte ich mich den Damen. Die Inquisitorin sprach Gebete, während die Flammen sich qualmend zu einem Leichnam unter weißem Totentuch fraßen. Eine schneeweiße Locke verriet mir, dass es sich um die Bestattung von Runa Corvijn handelte.

Betroffen hielt ich Abstand. Ich hatte mir so viel mehr ruhmreiche Geschichten von der Mystikerin mit der ungewöhnlichen Verbundenheit zu Sarenrae erhofft. Wenig später folgte ich den beiden zurück zum Schloß.

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Die Inquisitorin stellte sich den anderen Raben als Gizella Biharra vor. Sie war Varisianerin, was mich in Ustalav nicht sonderlich erstaunte, allerdings trug sie wie die Helden von Ravengro den Silbernen Raben, was weniger selbstverständlich war. Gizella musste demnach ebenfalls freie Ermittlerin der Pfalzgrafschaften sein! Sie behauptete ein Mob sei mit Fackeln und Forken auf dem Weg zum Schloß, um die Bestie und ihren Schöpfer zu richten, und es sei ihre Aufgabe die Raben, aber auch Graf Karomark von dieser Bedrohung zu unterrichten.

Besmo und Stralicia erklärten solgeich welch seltsamen Zustände auf dem Schloß herrschten. Balduan und Iacobus blieben wie ich misstrauisch. Pami sagte wie immer kein einziges Wort.
Die Erben Lorrimors wollten den Grafen und „Watzko“ suchen gehen. Die beiden Glaubensbrüder wollten weiterhin das Torhaus bewachen. Die Inquisitorin schloss sich den Erben an.
Ich sah noch immer nichts heldenhaftes im Durchstöbern des heruntergekommenen, ehemaligen Herrschaftssitzes.

Von den Zinnen des Torhauses konnte ich die Erben dabei erspähen, wie sie die gefährlich wankende Seilbrücke zwischen den beiden Gebäuden hinter dem Herrenhaus sicherten. Danach verschwanden sie in dem Portal, das die Erinye am Vortag zerstört hatte.

Der Schildknappe hielt Wache. Und ich wartete auf den wütenden Mob aus der Stadt. Dann löste Iacobus seinen Glaubensbruder ab. Ich wartete weiter ab. Im Untod war Zeit nicht mehr dasselbe. Es gab keinerlei körperlichen Bedürfnisse wie Hunger, Schmerz oder Erschöpfung die einen Unterschied machten ob eine Stunde, ein Tag oder Woche verging.

* * * * *

Gegen Nachmittag kehrten die Erben Lorrimors mit der Inquisitorin zurück. Sie berichteten von einem ganzen „Museum“ sinistrer Exotik und eigenartigster Kreaturen. Die meisten tot und konserviert, andere aber allzu lebendig oder gar untot. So hatten die Abenteurer Nachahmer, fliegende Medusenhäupter und eine Mumie aus dem fernen Osirion bekämpft. Unglücklicherweise mussten sie den abscheulichen Museumswächter – einen blinden Fleischgolem, der von einem Schwarm Homunculi geführt wurde – in einem Kampf um Leben und Tod erschlagen.

Graf Karomark musste in der Tat ein paranoides Genie mit ausgeprägtem Hang zu monströsen „Bastelarbeiten“ sein. Ich war also überzeugt und wollte den nächsten Vorstoß in sein Schloß unbedingt begleiten!

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