26. Lamashan, 4711 AK

Asconarhütte, Pfalzgrafschaft Lozeri

Hoffnung, ein Gefühl das ich nicht dachte im Untod je wieder zu verspüren. Die Silbernen Raben hatten von Richterin Embreth Daramid erfahren, dass der Wispernde Pfad aller Wahrscheinlichkeit nach in das Schauderholz gezogen ist. Waren die Nekromanten tatsächlich meine Mörder? Und wenn ja, sollte ich durch ihre Vernichtung tatsächlich Erlösung erfahren?

Daramids Spitzel hatten berichtet, dass die Dunklen Reiter an der Ascanorhütte gesehen worden waren. Ich konnte nicht länger an mich halten und zog aus, um den Wahrheitsgehalt meiner Vermutungen zu überprüfen. War es doch der einzige Weg, der mir geblieben. Die Silbernen Raben waren noch mit Reisevorbereitungen beschäftigt, als ich bereits über den nebelverhangenen Dippelweihersumpf auf den dunklen Schatten am Horizont, das Schauderholz zuflog.

Zwischen dem grünlichen Dunst der aus dem Moorwasser aufstieg, war da nur ein schwarzes Band, das sich im Osten so weit das Auge reichte von Norden nach Süden erstreckte.

* * * * *

Als ich den Waldrand erreicht hatte, ragten turmhohe Nadelbäume vor mir in den bedeckten Himmel hinauf. Ihre kahlen Stämme besaßen nur mehr wenige dürre Äste, die wie bleiche Finger in die Dunkelheit des Schauderholzes reichten. Weit über dem nadelbedeckten Waldboden, hatten sich nämlich die besser bestückten Zweige im Kampf um Ustalavs spärliches Sonnenlicht zu einem hoffnungslosen Filz verfangen und ein nahezu undurchdringliches Dach gebildet.

Furchtlos begab ich mich aus lichtem Tage in die Finsternis des mächtigen Waldes. Als ich die blubbernden Sümpfe hinter mir gelassen hatte, umgab mich eine Totenstille. Tiere, so schien mir, gab es im Schauderholz schlichtweg nicht. Weder Vögel, noch Hörnchen, weder Fuchs, noch Dachs. Es war ein trostloser Ort.

Ich folgte dem Alten Pfad nach Ascanor. Die berühmte Jagdhütte des ehemaligen Grafen von Lozeri war heutzutage zwar immer noch Spielplatz der Reichen und Mächtigen, doch mittlerweile konnte jeder mit genügend Kleingeld ihre Annehmlichkeiten für sich beanspruchen, nicht nur die Spießgesellen des entmachteten Herrschers.

* * * * *

Acanor war bevölkert von hochnässigem Gesocks und dienstfertigem Pöbel. Markgraf von Sturnidae, Marquesa Welgory und wie sie nicht alle hießen. Es kümmerte mich nicht im Geringsten. Ich war einzig und allein vom Gedanken an meine Mörder beherrscht. Auch die Raben und die Aussicht auf ihre Heldentaten im Kampf mit den Schrecken des Waldes hatte ich auf meiner Reise völlig vergessen. Sogleich machte ich mich daran das herrschaftliche Anwesen und seine Nebengebäude zu durchsuchen. Müdigkeit oder Erschöpfung kannte ich als Untoter nicht.

Meine Suche war vergebens. Ungeahnter Zorn und marternde Ungeduld verdrängten das süße Gefühl der Hoffnung. Wann sollten endlich diese Gott verfluchten Raben entreffen. Die Abenteurer hatten bereits in Lepidstadt ihr kriminalistisches Geschick unter Beweis gestellt. Und nun hatten sie dies verdammt noch mal hier auf Ascanor zu tun!

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