1. Neth, 4711 AK

Asconarhütte, Pfalzgrafschaft Lozeri

Gedankenverloren wandelte ich durch die gespenstische Landschaft des Schauderholzes zur frühen Morgendämmerung. Als ich das Nachtlager der Werwolfjäger wiedergefunden hatte, stieg ein Unbekannter lautlos über die Schlafenden.

Von Duristan, Raziel und Bestimotor fehlte jede Spur. So lagen Stralicia, Iacobus und Gizella verlassen in ihren Schlafsäcken auf dem kalten, nadelbedeckten Waldboden.

Der Unbekannte trug einen grauen Reisemantel mit tiefer Kapuze die mir den Blick auf sein Gesicht verwehrte. Ein lautstark brechender Zweig verriet den Mann. Sogleich hatten die Silbernen Raben ihre Waffen bereit, um sich zu verteidigen.

Beschwichtigend streckte der Unbekannte seine Hände von sich. An seiner Hüfte hing ein Langschwert, gleich neben einem Zauberstab. Er stellte sich als Ritter Caldavin Tarrt vor und zog die Kapuze zurück. Sogar im Zwielicht des Schauderholzes schimmerte sein Haar golden. Er war zweifellos nicht nur ein Ritter von Ozem, sondern auch der Bruder des gefallenen Rabens Balduan Tarrt.

Die Abenteurer hatten nicht die Zeit sich ausführlicher mit Caldavin zu unterhalten, denn ihre Weggefährten waren vermeintlich spurlos verschwunden. Es war Stralicia die sie eines besseren belehrte. Die Alchemistin hatte einen Fetzen von Bestimotors blauem Umhang an einer Kiefer entdeckt, der ganz offensichtlich nicht zufällig dort hängen geblieben war.

*     *     *     *     *

Wir folgten der Spur des Paktmagiers bis zum Rand einer großen Lichtung. In ihrer Mitte fielen bleiche Sonnenstrahlen auf die verwitterte Ruine eines Turmes. Das weißgraue Licht drang nicht sehr tief in die Finsternis des Waldes, enthüllte den Raben jedoch zwei zottelige Werwölfe in Mischgestalt bewaffnet mit Steinschwertern. Knurrend sprangen die Bestien auf die Abenteurer zu.

Ein Streich mit einer der mächtigen Steinklingen genügte, um Gizella aus dem Sattel zu werfen. Zwischen den Explosionen von Stralicias Bomben und Caldavins Angriffszaubern hörte ich nur wie sich die Krallen und Fänge der Werwölfe in Menschenfleisch gruben. Es ging alles unglaublich schnell, dann schwebten Iacobus und Stralicia bewusstlos über den geifernden Werwölfen. Blut tropfte aus ihren zahlreichen Wunden auf den Waldboden, wo der zerfetzte Leib von Gizella lag. Die Klerikerin war tot. Caldavin war mit Hilfe seiner Magie entkommen, jedoch musste er seine neuen Gefährten zurücklassen.

Die Werwölfe kreisten mit geifernden Mäulern unter den Bewusstlosen. Das Geheul der beiden hatte noch einen weiteren Lykanthropen herbeigerufen. Später gesellten sich sogar noch zwei weitere hinzu. Bis zu letzt hatte ich gehofft Caldavin oder Bestimotor würden Iacobus und Stralicia vor Gizellas Schicksal bewahren. Doch als der Zauber die beiden nicht mehr in der Luft hielt, fielen auch sie den Fängen der Werwölfe zum Opfer.

Sie mochten Ravengro vor den Gespenstern von Schreckenfels befreit haben, der Bestie von Lepidstadt zu Recht verholfen haben und Tamrivena vor den Orks behütet haben, doch das waren ganz offensichtlich nicht die Helden dieses Zeitalters. Enttäuscht begab ich mich zurück in die Dunkelheit des Schauderholzes.

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