3. Neth, 4711 AK

Asconarhütte, Pfalzgrafschaft Lozeri

Caldavin Tarrt blickte über seinen Bericht an Paladin Mirella Teufelsbann durch das geöffnete Fenster in die Dunkelheit des Waldes hinaus. Die Tage auf Ascanor hatten dem Magier scheinbar nicht die Ruhe und Erholung gespendet, die er nach den schrecklichen Ereignissen an der Mondtreppe dringend benötigte.

Ein zaghaftes Klopfen zerriss die nächtliche Stille. In seinem Trübsinn aufgeschreckt, stieß Caldavin den leeren Weinkelch neben dem Schriftstück um und stolperte zur Tür.

Er öffnete einer jungen Dame. Sie war zierlich und ihr Haar Kastanienbraun. Obwohl sie gut gekleidet war, gehörte sie ganz offensichtlich nicht zu den Aristokraten die für gewöhnlich das Jagdschloss besuchten. Ich erkannte Kendra Lorrimor sogleich, für Caldavin war sie eine Fremde.

Wie hatte sie den jungen Mann gefunden? Woher wusste sie überhaupt von seiner Verbindung zu den Silbernen Raben? Sicher, sie gebot über ein gewisses maß an Erkenntnismagie, ihre Anwesenheit auf Ascanor, vor Caldavins Zimmer, war mir dennoch ein Rätsel.

Sie stellte sich vor und erklärte ihr Verhältnis zu den Weggefährten des Magiers. Kendra wusste vom Tod seines Bruders. Er bat sie herein und erzählte ihr, was danach alles geschehen war.

„Balduans Tod hatte mich zutiefst erschüttert. Er war so voller Güte, Bescheidenheit und Heldenmut. Nie hatte ich einen besseren Mann getroffen als ihn, Caldavin.“, gestand die Erbin von Professor Lorrimor. „Nun berichtet Ihr mir zudem vom Tod meiner treuen Freunde Stralicia und Iacobus? Pharasma prüft uns wahrlich auf’s Ärgste!“

Kendra wandte sich von Caldavin ab und zog ein weißes Spitzentaschentuch aus ihrem Ärmel hervor, um ihre Tränen zu trocknen. „Ritter…“, begann sie hoffnungsvoller, nur um von Balduans Bruder unsanft unterbrochen zu werden: „Vergesst das mit dem Ritter!“ Der Magier zischte seinen Titel dabei wie eine Beleidigung.

Sie blickte Caldavin trotz des rüden Tons voller Entschlossenheit an. „Ihr habt berichtet Bestimotor von Simmelwitz sei mit den Werwolfjägern verschwunden. Und Ihr seid der Spur des Gnoms bis zur Ruine des Desnatempels gefolgt. Besmo hat mittlerweile den Weg in ein Nest namens Morcei gefunden. Ich bitte Euch, zieht mit ihm zurück zur Mondtreppe und findet heraus welch finstere Machenschaften der Wispernde Pfad in den Schatten des Schauderholzes vorangetrieben hat!“

Von ihrer Brust löste die junge Frau eine silberne Anstecknadel. Das Schmuckstück besaß die Form eines stilisierten Raben. „Dieses Abzeichen gehörte Eurem Bruder, Caldavin. Er verdiente es sich im Kampf mit den Gespenstern von Schreckenfels, in der Pfalzgrafschaft Kanterwall. Nun sollt ihr den Silbernen Raben in den Diensten der Pfalzgrafschaft Vieland tragen.“

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