Hüte deine Zunge!

Ja, ein Bild sagt mehr als tausend Worte, dennoch spielt für mich verbale Kommunikation, genauer gesagt Sprache, die übergeordnete Rolle am Spieltisch. Ein Illustrator mag noch so talentiert, eine Fotografie noch so passend erscheinen, manche Spieler stellen sich das abgebildete doch ganz anders vor. Und das ist auch gut so!

Ich denke gute Beschreibungen lassen genug Raum für individuelle Imagination, ohne dabei unvollständig zu bleiben. Das gleiche mag ebenso für gute Zeichnungen oder Skizzen zutreffen, doch tendieren die meisten zeitgenössischen fantastischen Illustrationen dazu sehr explizit und detailliert zu sein.

In einer fantastischen Welt, die sich überwiegend nur indirekt auf unseren Planeten Erde und sein Universum bezieht, gibt es (für mich) in der Regel kein Deutsch, Englisch oder eine andere „echte“ Sprache und auch nicht die damit verbundenen Akzente und Dialekte.

Sprachen unserer Welt in zuvor beschriebenen Multiversen gezielt einzusetzen um gewisse Konnotationen zu schaffen mag ein gängiges Mittel sein, zu welchem meiner Meinung nach jedoch selten und wenn dann sehr bewusst gegriffen werden sollte. Für mich gibt es wenig was die Stimmung schneller tötet als ein plump platziertes „Griaß eich!“ (bayerisch für „Ich grüße euch!“ oder auch eine Kurzform von „Grüße euch Gott!“), wenn es darum geht in eine ländliche Umgebung einzutauchen (wir sind eine Spielgruppe mit Hauptsitz in Bayern).

Neben den bereits erwähnten Fremdsprachen und den damit verbundenen Akzenten und Dialekten können auch Redewendungen aus dem „falschen“ Kontext zum Katapult aus jeder noch atmosphärischen Stimmung am Spieltisch werden. Ein Beispiel hierfür wäre „… päpstlicher als der Papst.“ in einer Welt in der es das Amt des Papstes überhaupt nicht gibt. Vielleicht nicht völlig fehl am Platze sind Aussprüche wie „Oh, mein Gott“, doch in einer polytheistischen Gesellschaft kann das schon etwas befremdlich wirken. Ebenso sind vereinzelte Worte aus unserem alltäglichen Sprachgebrauch wie „Cool“ oder „Okay“ reinstes Gift für spannungsgeladene Begegnungen wie solche bei der Detektivarbeit in den finsteren Gassen einer fantastischen Metropole.

Spielleiter und Spieler sollten sich bemühen die Sprache ihrer Charaktere auf die Welt oder das Multiversum, in dem gemeinsam Abenteuer erlebt werden, anzupassen. So steigern stimmige Redewendungen, Aussprüche und Wörter die Atmosphäre am Spieltisch ungemein. Bei veröffentlichten Spielwelten ist meistens genügend „Rohmaterial“ in Form von Namen und Bezeichnungen vorhanden, an dem man sich nur noch bedienen muss, um auch die Sprache seiner Bewohner einzigartig zu machen.

Diese „Hausregel“ mag nicht für alle Spielgruppen von gleicher Bedeutung sein oder überhaupt Relevanz zu besitzen, in Runden die ich leite gehört sie zu den Wichtigsten. Wie mehrfach erwähnt, handelt es sich dabei gänzlich um meine persönliche Meinung, die hier viel zu knapp zusammengefasst wurde.

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Hüte deine Zunge!

2 Gedanken zu “Hüte deine Zunge!

  1. Weil ich grundsätzlich auf Krawall gebürstet bin, gibt es ab sofort eine Menge Päpste in meiner Welt. ;) :P
    Ich bin allerdings tatsächlich schuldig darin, Fischer und Hafenarbeit Platt, oder zumindest stark akzentuiertes Hochdeutsch, sprechen zu lassen – jedem das seine.
    Die Standard D&D-Kampagne ist eh eher Wilder Westen als irgendwie Mittelalterlich, denk` ich.

  2. Mhyr schreibt:

    Ja, die rechte Sprache am Spieltisch scheint tatsächlich ein kontroverses Thema zu sein. Das fängt bei der Präzision in Sachen Spielregeln an und hört (bei mir) eben erst mit den Zungen der Spielwelt-Bewohner auf. Aber klar: andere Runden, andere Regeln! Hauptsache ist doch, dass alle Spass am Spiel haben, oder?

    Über die Jahre bin selbst ich lockerer geworden was das Thema angeht. ;)
    … denke ich. Meine Spieler sehen das vielleicht ganz anders!

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