Der goldene Goblin

Nachdem sich einige Spieler aus unserer ersten Kampagne auf Golarion verabschiedet hatten, setzten wir auf die Stadtabenteuer des zweiten Abenteuerpfades Fluch des roten Throns (inoffizielle Übersetzung des Originaltitels Curse of the Crimson Throne) aus dem Hause Paizo für unsere geschrumpfte Gemeinschaft. Ich als SL versprach mir von diesem Schauplatz mehr Flexibilität und Plausibilität für das Dasein von NSC, die eine kleine Gruppe von SC nötigenfalls unterstützen konnten. Ausserdem waren Stadtabenteuer lange, lange Zeit meine absolute Präferenz. Heute sehe ich das nicht mehr ganz so absolut, da ich auch Gewölbe- und Wildnisabenteuer sehr zu schätzen gelernt habe.

Es folgt ein IC-Bericht meiner treuesten Mitspielerin, die für gewöhnlich alles mitschreibt was an unserem Tisch – in unserer jeweiligen Spielwelt – passiert. Goblins waren durch die Kanalisation nach Korvosa gelangt und hatten einen Wandermagier auf dem Marktplatz überfallen, der unwissentlich abgelaufene Zaubertränke aus einer thassilonischen Ruine veräusserte. Geschrieben wurde dieser Tagebucheintrag von Zanovia Tabuu, einer varisischen Schaustellerin, die hervorragend mit den exotischsten Waffen umzugehen wusste. Ich mochte die Kampagne, sie gab mir als SL Raum für solche selbst geschriebenen Einschübe in den „eigentlichen“ Handlungsstrang.

Aber nun Bühne frei für Raglovias goldenen Goblin!

5. Pharast, 4708 AK
Korvosa, Varisia

Nach einer Audienz bei der Königin war mein Herz mit Stolz und Tatendrang erfüllt. Die neue Herrscherin der Stadt war zwar in tiefer Trauer, ob des Todes ihres geliebten Gemahls, dennoch wollte sie es nicht versäumen uns persönlich zu danken, dass wir ihre teure Brosche wiederbeschafft haben. Die Belohnung bestand jedoch nicht nur aus den freundlichen Worten Ileosa Arabastis. Ihre wunderschöne Leibwächterin hatte uns eine Silbertruhe mit zwölf kleinen Goldbarren ausgehändigt auf denen das königliche Wappen zu sehen war.

Auf Befehl der Königin und mit unserem Einverständnis wurde das Gold von einer Eskorte in die Schatzkammer des Abadartempels gebracht, obwohl ich auch gern ein Wenig davon sogleich ausgegeben hätte. Deswegen beschlossen wir wenigstens den Inhalt unserer Geldbörsen zu verprassen!

Der Goldmarkt, des Bezirks Mittland wichtigster Umschlagplatz für Waren aller Art, lag am östlichen Ende der Feldmarschallstrasse und damit von Schloss Korvosa nicht weit entfernt. Also verabschiedeten sich die vier Agenten der Garde gebührend von Königin Ileosa, um ihre Erfolge zu feiern.

Cael der Halbelf und der kleine Daro haben sich dann jedoch bald abgesetzt. Beide hatten angeblich wichtigere Dinge zu tun.

*     *     *     *     *

Aus den Einkäufen mit Mercutio, auf die ich mich so gefreut hatte, wurde jedoch vorerst nichts. Der Teufler und ich waren also alleine auf dem Weg zum Marktplatz und das sogar fast ohne größere Streitigkeiten. Während ich mir schon ausmalte, was ich alles für Besorgungen machen wollte, duftende Essenzen, Alchimistenfeuer und Heiltränke, waren alle Zugänge zum Markt mit aufeinander gehäuften Säcken und zusammen geschobenen Karren verbarrikadiert. Die Gardisten hatten die provisorischen Straßensperren errichtet, und es dauerte nicht lange, da wussten wir auch weshalb.

Neben mir stand eine verzweifelte Shoanti mit einem Falken auf der Schulter. Sie wollte unbedingt auf den Marktplatz. Sogleich spürte ich eine gewisse Verbundenheit zu der Frau die sich Yolana nannte, vielleicht weil sie mich an meinen geliebten Shadfrar erinnerte. Und ihre faszinierende Ausstrahlung! Wie sie darauf bestand auf den Marktplatz zu einem Wandermagier namens Sagitar Tiguan zu gelangen, funkelten ihre Augen wie die einer wilden Bestie. Die Federn an ihren exotischen Kleidern flatterten mystisch im Wind, der sie hoch über die Stadt und zurück auf das Storvalplateau tragen wollte.

Der Teufler und ich waren uns ausnahmsweise einig. Wir wollten Yolana begleiten, denn wir sahen es auch als unsere Pflicht, als Agenten der Garde, Korvosa und seine Besucher zu schützen. Dann hörten wir diese schrillen, krächzenden Stimmen blutrünstige Lieder singen: Goblins! Als wir über die Barrikade geklettert waren, stolperten wir fast über die schrecklich entstellte Leiche eines bepanzerten Reiters. Auf seiner Rüstung waren seltsame Zeichen und eine Teufelsfratze zu erkennen. Und neben ihm lag sein totes Streitross. Mich schauderte es bei diesem Anblick und noch größeres Unwohlsein überkam mich inmitten einer Art winziger Hügellandschaft aus nackten Riesenratten bei mir hervor… sie waren überall… grausiger Ekel stieg in mir auf.

Dann kamen diese widerlichen Goblins auf uns zu! Ich hörte es erst an den grässlichen Liedern, dann sah ich sie. Ihre eierförmigen, übergroßen Köpfe saßen auf dünnen Körpern. Ihre grau-grüne Haut schützten sie durch Rattenlederrüstungen, auf deren Brustpanzer eine weiße Schlange abgebildet war. Und Ihre Waffen bestanden aus rostigen, durchlöcherten Klingen.

Zwischen den brennenden Marktständen tauchte plötzlich ein Riesenhund mit feuerrotem Fell und schwarzen Fängen auf. Aus seinem blutverschmierten Maul züngelten bläuliche Flammen, und ich hatte das Gefühl, dass seine rot glühenden Augen uns fixierten, um uns jeden Moment mit einem gewaltigen Sprung anzugreifen.

Da flog ein Goblin, kugelrund wie ein Ballon, über unsere Köpfe hinweg. Ein hitziger Kampf entbrannte. Mercutio konzentrierte seine magischen Attacken auf den fliegenden Goblin, der plötzlich ein Fläschchen nach uns warf. Er wusste sich mit Säurepfeilen zu helfen, um den Ballongoblin auch zu erreichen. Sogar Yolanas Falke unterstütze uns mit Krallen und Schnabel. Ein anderer Goblin stopfte sich ständig Trockenfrüchte in sein gieriges Maul und brachte mich so in Rage, dass es mir ein wahrliches Vergnügen war ihn zu töten. Die Goblins schlugen auch auf den Feuerhund ein, und als er sich wehrte, konnte ich erkennen, wie sein Feuerodem und sein Biss alles in Flammen hüllte, ihn selbst schienen die Flammen völlig unversehrt zu lassen. Plötzlich gab es einen lauten Knall und der fliegende Goblin explodierte über unseren Köpfen. Doch die Goblins bereiteten uns keine Probleme. Es war diese Höllenbestie die uns das Leben schwer machte. Nachdem sie ein paar der kurzen Quälgeister tot gebissen hatte, stürzte sie sich auf uns.
Eine gewaltige Stichflamme schoss mir und Yolana entgegen. Die Angriffe des Feuerhunds setzten mir übel zu. Ich hatte unglaubliche Schmerzen und erlitt heftige Verbrennungen. Nach unserem Rückzug musste Mercutio allein gegen diese Bestie weiterkämpfen. Ich floh in Richtung Straßensperre, um Verstärkung zu holen, in der Hoffnung, dass meine beiden Begleiter mir folgen würden. Und das taten sie dann auch, doch der Feuerhund schien dem Teufler dicht auf den Fersen. Meine Wunden brannten und mir liefen Tränen der Verzweiflung hinunter. Wieder hörte ich die schrillen Stimmen der Goblins und sah einen, der sich Töpferwaren und tönerne Scherben in sein Maul steckte. Gepriesen sei Abadar, der Hund war endlich abgelenkt ab.

Yolanas Ungeduld, endlich Sagitar Tiguan zu treffen, wurde immer stärker. Sie behauptete ein ganz bestimmtes Heilmittel von ihm zu brauchen. Doch Mercutios, und auch meine Verletzungen erlaubten es nicht, es so leichtfertig wieder mit dem Feuerhund aufzunehmen. Wir machten uns also auf den Weg zum Tempel Abadars. Desna sei Dank, es befand sich sogar einer der Priester unter den Gardisten an der Straßensperre, der uns die nötige Heilung verschaffte. Der junge Mann in den weissen Gewändern legte seine Hände auf unsere versengte Haut und ließ goldenes Licht die Wunden schließen.

Wieder auf dem Marktplatz, stiessen wir auf Pavels ausgebrannten Imbiss. Aus einem Fass starrte uns ein weiß geschupptes Goblingesicht mit bösen, schwarzen Augen an und ein zweiter, fetter Goblin torkelte um ein anderes Fass herum, um uns mit einem Rülpser zu begrüßen. Doch der geschuppte widerte mich noch mehr an! Und ich schlug unablässig auf ihn ein! Mercutio versah den Boden hinter den Fässern mit einem Zauber und verwandelte ihn in eine rutschige Fläche, die es dem Fetten nicht erlaubte auf den Füssen zu bleiben. Als er auf dem Boden herum rollte, schlug ich auf ihn ein, doch was fiel diesem hässlichen Ekel ein, er schüttete sich einen Heiltrank in sein gefrässiges Maul.
Dann erkannten wir den Schlangenkörper des Fassgoblins, der mir eine giftige Wolke aus Säure und Blut entgegenwürgte. Trotzdem war dies für ihn die letzte Tat, denn wir stießen das Fass um und Yolana machte ihm den Garaus! Dem Fetten schlitzte ich währenddessen die Kehle mit meinem Klingenschal auf. Als ich ihn durchsuchte, fand ich fünf Heiltränke bei ihm, die ich natürlich sofort in meine Taschen wandern ließ.

Weiter auf der Suche nach dem Zelt des Wandermagiers, wurden wir schon wieder von einem dieser Goblins aufgehalten. Sein Eierkopf war zwischen zwei farbenprächtigen Planwagen eingeklemmt und seine dürren Beine strampelten panisch in der Luft. Mit einem gezielten Angriff erlöste ich ihn. Doch wie aus dem Nichts erschien plötzlich ein weiterer Goblin hinter mir und stieß mir seine rostige Klinge in den Rücken. Gemeinsam konnten wir den Schuft niederkämpfen. Er musste unsichtbar gewesen sein, denn zuvor hatten wir ihn nicht entdeckt.

Dann entdeckten wir endlich das Zelt des Wandermagiers! Seine Seide schimmerte wie eine Perle im blassen Sonnenlicht, doch der golddurchwirkte Stoff war über und über mit Brandlöchern ruiniert. So konnten wir in das finstere Innere sehen. Es bot sich uns ein Anblick, der mich sogleich faszinierte: ein Spiel aus Schatten und unnatürlich blauem Licht. In der Mitte des Zeltes stand die goldene Statue eines Goblinkriegers in triumphierender Pose. Ich war so verblüfft von diesem Anblick, dass ich die nackte Ratte mit ihren milchigen Augen fast zu spät bemerkte. Yolana versah ihren treuen Gefährten, den Falken, mit einem Zauber und schon stürzte sich die Riesenratte auf Mercutio. Plötzlich begann die Statue sich zu bewegen.

Der goldene Goblin trug einen schwarzen Schild auf dem die zornige Fratze eines Teufels zu sehen war. Er führte sein mächtiges Schwert gegen mich mit unerwarteter Kraft und Stärke und setzte mir schwer zu. Ich schluckte einen der erbeuteten Heiltränke und erschlug ihn einfach.

Kurz Zeite später schrumpfte er, zog sich förmlich zusammen und auch der Goldschimmer verschwand. Meine Begleiter schienen unversehrt, also durchsuchten wir das verwüstete Innere des Zelts. Überall lagen leere Fläschchen und Phiolen, die Goblins hatten es sorgfältig geplündert und zerstört. In dem Chaos fanden wir dann auch einen reglosen Körper von kleiner Statur, eingehüllt in graue Roben. Als Yolana erkannte, dass der Halbling, Sagitar Tiguan noch am Leben war, sprach sie fremd klingende, eigenartige Worte und heilte den kleinen Mann.

Er erzählte uns die Geschichte, die wir uns schon längst selbst zusammengereimt hatten. Goblins hatten ihn überfallen, alles aufgefressen und verwüstet. Auch das Heilmittel, das die Shoanti so dringend benötigte war von den Vandalen vernichtet worden. Jedoch fand Sagitar in dem Chaos eine Truhe mit seinen Rezepten und versicherte Yolana, dass er nur etwas Zeit benötigen würde das Heilmittel erneut herzustellen.

Bildnachweis: http://paizo.com/paizo/blog
Illustrator: Jason Rainville

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