Spuren im Sand

Wie bereits erwähnt, war Das Erwachen der Runenfürsten (inoffizielle Übersetzung von Rise of the Runelords), wie für so viele, unsere erste Kampagne auf Golarion, der Welt des späteren Pathfinder Rollenspiels. Wir saßen, aber bereits vor erscheinen von Pathfinder #1 in den Startlöchern und ich schrieb, basierend auf den wenigen Informationen die ich zu diesem Zeitpunkt vom Paizo Blog und aus dem bereits verfügbaren Player’s Guide hatte, einen kleinen Prolog an der Verlorenen Küste von Varisia. Oberbösewicht von diesem Einführungsabenteuer, das ich  Spuren im Sand getauft habe, war ein Derro der in einer verlassenen Karawanserei einen Lamashtuschrein errichtet hatte und die Statue seiner finsteren Schutzgottheit mit den Wertgegenständen der SC geschmückt hatte. Und genau diese wollten die verfluchten SC, die Gnomin Rossana Glonna Rubenstein und der Halbling Lel, unbedingt wieder haben, denn nur damit konnten sie in Sandfleck (inoffizielle Übersetzung von Sandpoint) den Fluch der auf ihnen lastete brechen.

Es folgt ein OOC-Bericht darüber wie die ersten SC ihren Weg nach Sandfleck antraten und die Abenteuer auf Golarion für unsere Spielergemeinschaft dann letztendlich begannen.


28. Arodus, 4707 AK
Die verlorene Küste

Die Sonne musste gerade erst aufgegangen sein, denn sie war noch nicht viel mehr als eine orange Scheibe im Osten, die den Strand und die See in ein Flammenmeer verwandelt hatte. Es dauert eine Weile, bis sich die Augen der Reisenden an das Licht gewöhnt hatten und aus den brodelnden Lavaströmen wieder grauer Sand und Salzwasser geworden war. Die Brandung drückte sie immer wieder in den Dreck. Wasser und Sand ließen sie würgen. Mit letzter Kraft drückten sich die Fünf aus den blaugrauen Fluten. Keuchend und prustend brachten sie sich vor dem Ertrinken in Sicherheit. Erschöpft blieben sie liegen. Die Erkenntnis, nicht der einzige Überlebende zu sein, kam für jeden in der Form eines Stöhnens von der Seite. Das Rauschen der Wellen entschädigte sie mit Ruhe für die Todesangst, in der sie vor kurzem erwacht waren. Für den Augenblick gaben sie sich einfach nur dem Glücksgefühl hin noch am Leben zu sein. Ein befremdliches Murmeln riss sie aus dem Dämmerzustand, in den sie auf ihre vermeintliche Rettung hin verfallen waren. Sie reckten ihre Köpfe und mussten zunächst den Sand aus den Augen blinzeln, um gegen die Sonne überhaupt etwas erkennen zu können. Die Silhouette einer kleinen menschenähnlichen Gestalt warf ihren Schatten auf den Strand. Ein ausgeblichener Sonnenschirm aus Papier verbarg jedoch den Großteil ihrer Gestalt. Sie wanderte durch das angespülte Treibgut und stocherte mit einem Stock in getrocknetem Seetang und gesplitterten Holzkisten, zerbrochenen Tonkrügen und zerrissenen Hanfsäcken. Dann schien sie etwas gefunden zu haben. Sie bückte sich und durchwühlte aufgeregt mit beiden Händen einen Haufen nasser Fetzen. Im Gegenlicht der aufgehenden Sonne konnten die Fünf das kostbare Fundstück erkennen: fünf Edelsteine glühten rot in den dunklen Fingern der schattenhaften Kreatur, Rubine die das Geschmeide aus dem Hause Rubenstein verrieten. Ein unheimliches Gerassel hinter den Dünen, die den Strand vom Rest des Festlandes abgrenzten, ließ auch die kleine Schattengestalt zusammenzucken. Sie steckte das Schmuckstück in die Tiefen ihrer dunklen Gewänder und entfernte sich schnellen Schrittes von den gespenstischen Geräuschen, die an längst vergangene Kriegszeiten erinnerten. Die nahezu weißen Schädel einer Gruppe von Skelettkriegern erschienen zwischen dem hoch gewachsenen Gestrüpp auf einer der Sanddünen. Sie waren mit immer noch scharfen Krummsäbeln bewaffnet, während ihre Rüstungen nur noch aus wenigen rostigen Eisenringen und verbeulten Helmen bestanden. Die Untoten entdeckten die flüchtende Gestalt und teilten sich auf. Drei der Skelettkrieger verfolgten die Schattengestalt, die übrigen sechs bewegten sich direkt auf die fünf Überlebenden zu. Ihre uralten, von der Sonne gebleichten Gerippe schützten sie mit schweren Rundschilden, als sie vorsichtig näher kamen. Die Spitzen ihrer Krummsäbel zeigten auf die Herzen der angespülten Reisenden und versprachen einen schnellen Tod. Bregaron hatte die letzten beiden Dekaden damit zugebracht die Reste der finsteren Streitmacht Urgathoas zu zerstören, die im Krieg der Gefallenen über seine Heimat hergefallen ist. Er war also im Kampf mit den wandelnden Toten geübt und spaltete mit Leichtigkeit den Schädel des ersten Angreifers. Die Roben des Priesters klebten an seinem Leib und macht es ihm schwer das heilige Symbol seines Gottes hervorzuholen. Ingrimsch durchwühlte noch seine nassen Kleider, als die Stachelkette der Elfin bereits verheerend durch die Reihen der Untoten surte. Sie riss zwei der Skelettkrieger noch im Ansturm von den Beinen, während sie einem dritten des Brustkorb zerschlug. Rossana blieb still und heimlich hinter Treibgut versteckt liegen. Lel fuchtelte wild mit seinem Kurzschwert herum, um die Krummsäbel der untoten Angreifer auf Abstand zu halten. Dann tauchte das glühende Symbol Torags den Strand erneut in feuriges Licht. Ingrimsch vertrieb die verbleibenden Skelettkrieger in die Wildnis der Verlorenen Küste aus der sie gekommen waren. Erschöpft von Kampf und Schiffbruch sanken die fünf Überlebenden wieder in den grauen Sand, wo sie sich einander knapp vorstellten. Bregaron überdachte den Kurs der Karavelle, mit der sie vergangene Nacht Untergegangen waren und bestimmte, dass Sandfleck im Nordosten liegen müsse. Kurz darauf waren die beiden Zwerge marschbereit, während Lel und Rossana aufgeregt den Strand nach dem kostbaren Schmuckstück absuchten, das sie unbedingt zum Tempel Sandflecks bringen mussten. Philomena wartete kampfbereit auf die Rückkehr der Skelettkrieger. Da sie nicht wussten was sie entlang der Verlorenen Küste erwartete entschieden die Zwerge, dass es klüger wäre in Gesellschaft weiterzureisen und Bregaron half bei der Suche. Unter dem Treibgut fanden sich nur noch wenige Gegenstände von Wert, allerdings lagen um ein zerfleddertes Buch mehrere Schriftrollenbehälter verteilt. Die Rossana mit Vergnügen öffnete und untersuchte. Dann entdeckte der geübte Jäger Fußspuren einer kleinen, humanoiden Kreatur, die nach Nordosten führten, die der Untoten ließen sich nach Südwesten zurückverfolgen. Ihr Ziel Sandfleck lag ohnehin im Nordosten und so gingen sie alle gemeinsam.

    *     *     *     *     *

Hinter den Dünen lag eine weite Ebene. Das hohe Gras war von der Sonne verbrannt und es fanden sich nur noch wenige grüne Halme. Auf der sandigen Erde, zwischen vereinzelten Felsbrocken, wuchsen keine Feldfrüchte, sondern rotbraune Flechten, die ein farbenfrohes Muster entstehen ließen. Nach einiger Zeit stand da in ungefähr fünfzig Fuß Entfernung ein schnaubender Schreckenswisent. Die Größe des Wildrinds, ließ auf sein junges Alter schließen, doch die abgebrochenen Pfeilschäfte in seinem Rücken machten ihn nicht weniger gefährlich als ein ausgewachsenes Exemplar. Bregaron, der die kleine Reisegruppe die ganze Zeit angeführt hatte, gab ihnen zu verstehen sich nicht zu rühren. Langsam näherte er sich dem verletzten Tier, das laut schnaubte und unruhig seinen riesigen Schädel hob. Die Schmerzen waren ihm deutlich anzusehen. Der Zwerg versuchte das verstörte Jungtier mit gutem Zureden und friedlichen Handbewegungen zu beruhigen, während die Gnomin und der Halbling darüber stritten, ob er dabei erfolgreich sein würde. In seinen Bemühungen kam Bregaron dem Wildrind immer näher. Plötzlich stürmte es los. Seine Hufe donnerten über die rotbraune Ebene, dann stieß es den Zwerg um und preschte genau auf seine Gefährten zu. Aufgeregt rannten die Vier vor dem wütenden Tier davon, das bereits die Verfolgung von Lel aufgenommen hatte. Die Elfin erkannte die gefährliche Lage ihres kleinen Begleiters, gab die Flucht auf und schwang ihre Kette. Dreimal peitschte die Waffe auf dickes graues Fell, erst beim vierten Versuch brachte sie das Schreckensrind kurz vor dem Halbling zu Fall und rettete ihm so mit Sicherheit das Leben. Mit einem Schlachtruf auf den Lippen kam Bregaron angestürmt. Er stürzte sich todesmutig auf das verletzte Tier und versuchte mit Leibeskräften es auf dem Boden zu halten. Doch gegen seine schiere Masse konnte er nichts ausrichten. Philomenas Stachelkette surrte wieder durch die Luft und riss eine klaffende Wunde in eine graue Flanke. Wild schnaubend stemmte sich das Tier wieder auf die Beine. Es warf seinen riesigen Schädel gegen die Brust der Elfin, deren Rüstung von einem der Hörner durchdrungen wurde und ihr ebenfalls eine schwere Wunde zufügte. Nun löste der Zwerg seine Urgrosch aus dem Wehrgehänge. Mit der flachen Seite des Axtblattes schlug er zu. Der heftige Schlag schickte das verletzte Schreckensrind wieder zu Boden. Es hatte dem Zwerg nicht so recht gepasst, das ohnehin schon schwer verletzte Tier bewusstlos zu schlagen. Nachdem Ingrimsch den Jäger mit der Macht Torags geheilt hatte, suchte er sogleich nach Kräutern um auch das Leid des Wildrinds zu mildern. Vorsichtig entfernte er die Pfeilspitzen und schloss die Wunden mit einem erdigen Gemisch aus Flechten und Moosen. „Shoanti! Die Barbaren des Storvalplateaus müssen dieses arme Tier gejagt haben.“, klärte er die anderen auf. Nachdem der Priester seine heilenden Kräfte auch an den anderen verwendet hatte und Rossana sich wieder ausreichend beruhigt hatte marschierten die fünf Überlebenden weiter Richtung Sandfleck.

    *     *     *     *     *

Der Tag neigte sich dem Ende und die Füße der Reisenden begannen langsam zu schmerzen. Ein kleines Wäldchen erstreckte sich zu beiden Seiten des Feldwegs der sie nach Sandfleck führen sollte. Die Stämme der Bäume waren rotbraun und der Farn am Boden hellgrün bis gelb. Mancher Orts versperrten umgestürzte Bäume oder überwucherte Felsen die Sicht, in dem ansonsten lichten Wäldchen. Jedoch waren sie zunächst auf der Jagd nach dem Dieb der Juwelen. Bregaron hatte seine Spur gerade aus den Augen verloren, als er ein paar Schritte vor den anderen ein schauriges Lied aus krächzenden Kehlen vernahm.

    *     *     *     *     *

Leise leise in den Hof, Seh ich es stehen ach so hoch! Zieh den Schwanz, verdreh die Mähne, Seh es spucken und schlag sie aus die Zähne!

    *     *     *     *     *

Die schrille Sprache in der es gesungen wurde, kannte der Mann aus den Bergen nur zu gut: Goblinisch. Der Zwerg gab seinen Reisgefährten ein Zeichen zu warten, während sich der Halbling ins Unterholz schlug. Lautlos pirschte sich Lel an die goblinoiden Sänger heran. Hinter einem Farn fand er dann ein passendes Versteck um die Tunichtgute zunächst genauer zu beobachten. Zwischen den Überresten einer Ballista tanzten fünf kleine Humanoide. Sie hatten dunkle, leicht gelbliche Haut und ihre Augen schimmerten rötlich im spärlichen Licht der untergehenden Sonne, das durch den Blätterbaldachin des Wäldchens fiel. Die breiten Münder, in ihren großen Schädeln, waren gespickt mit unzähligen spitzen Zähnen. Manche torkelten umher, andere zündelten und wieder andere machten sich mit schartigen Klingen an einem Pferdekadaver zu schaffen. Schimpfend verscheuchten sie die schwarzen Fliegen, die ebenfalls versuchten an das rosafarbene Fleisch zu kommen. Doch alle grölten sie das unheimlich klingende Lied, dessen Inhalt man dank ihrer Gesten unschwer als äußerst blutrünstig erkannte, auch wenn man die unmelodische Sprache nicht verstand in der es gesungen wurde.

Bildnachweis: http://paizo.com/paizo/blog
Illustrator: Noah Bradley

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