Spielbericht: Die verlorene Mine #16

Blutmond

Das Jahr der Kriegerprinzessin
30. Eleint, 1489 TZ
Schwertberge

enklaveVerehrter Reidoth,

Aus höchster Not schicke ich Dir diesen Brief, den ich mit hastiger Feder aus dem dichten Gefieder einer nun etwas verärgerten Eule niederschreibe.

Es ist tiefste Nacht, doch das strahlende Licht des vollen Mondes scheint auf mich, meinen Gefährten Yunnikon und die kleine Lichtung, auf die uns der weiße Wolf geführt hat, hernieder. Mein sonst so geliebter Mond steht in seiner ganzen Pracht am Himmel, nur erscheint mir sein Antlitz heute düster und sein Licht kalt… Ich ersehne nichts mehr als die ersten warmen Strahlen der Sonne, die den Anbruch des Tages verkünden und wieder die vertrauten Gestalten meiner Gefährten enthüllen!

Um meine wirren Worte zu verstehen, musst Du allerdings die ganze Geschichte kennen.

Noch von tiefer Trauer um unseren Gefährten Galinndan geplagt, begannen wir den grauen Morgen im Gasthaus Steinhügel von Phandalin. Wir boten wohl ein armseliges Bild, doch der Magier Javic stach in seiner Farblosigkeit besonders hervor. Wir wollten uns gerade unserem Frühstück widmen, als die Tür aufflog und der Sohn des Wirts hereingestürmt kam und etwas von einem toten Mädchen hinter dem Schlafenden Riesen stammelte.

Sogleich machten wir uns auf den Weg. Und wenig später sollte uns das verpasste Frühstück zu Gute kommen. Auf der Straße vor der Taverne Zum schlafenden Riesen hatte sich bereits eine tuschelnde Traube von Menschen um den sichtlich überforderten Ratsherrn Harbin Wester gebildet.

Mit einiger Überredungskunst konnten wir den verschwitzten Mann davon überzeugen uns in den Hinterhof der Trinkhalle vorzulassen. Notdürftig unter einem löchrigen Mantel verborgen, lag dort die Leiche eines jungen Mädchens. Über ihren Leib zogen sich tiefe, unsaubere Schnitte. Diese Wunden allein hätten den zierlichen Körper des armen Mädchens fast zerfetzt, doch ihr Tot entsprang unverkennbar ihrer zerfleischten Kehle. Leider lies sich aus den Spuren die in großer Zahl um das Opfer verstreut waren keine weiteren Erkenntnisse mehr ziehen, zu stümperhaft wurde mit wenigen Hinweisen vor unserem Eintreffen umgegangen. Wir beendeten die Untersuchung an diesem Ort und brachten Lia, so hieß das Mädchen angeblich, zu Schwester Garaele in den Tymora Schrein.

Diese konnte uns auf die Nachfrage nach ungewöhnlichen Vorkommnissen oder anderen Gästen nur von Gemeinschaft von zwei Zwergen berichten, die am Morgen sehr früh wieder aufgebrochen waren: Oskar Eisenhammer und Rangrim Frostbart. Leider blieb uns auch der unangenehme Besuch des Totengräbers Igor Plarusch nicht erspart. Enna erklärte sich bereit dem geiergleichen Mann in seine Werkstätte zu folgen, um Galinndans Hab und Gut in vertrauensselige Hände zu führen. Als wir das Opfer der vergangenen Nacht näher untersuchen, konnte ich mit Sicherheit feststellen, dass der Angriff von einer Schreckensratte stammen musste.

Während wir diese erschütternde Erkenntnis noch verdauten, schlüpfte eine winzige Gestalt durch die goldgelben Vorhänge des Eingangs. Was im ersten Augenblick noch wie ein Eichhörnchen aussah, verwandelte sich in einen grünhaarigen Gnom mit dem Namen „Podri Silberblick“. Er berichtete, dass er uns schon länger folgte und auch unseren Kämpfen in der Wellenhallhöle beigewohnt hatte. Er folgte uns, da er beschlossen hatte seinen Posten aufzugeben und uns beizustehen. Nur die Sterne des dunklen Firmaments wissen, welche überraschenden Wendungen noch auf uns zukommen mögen.

Vor dem Schrein wartete bereits die nächste Aufgabe, denn dort hatten sich Mutter Eschenblatt, Silda Winterhalle, Daran Edermath und Halia Dorn zwischen den anderen Bewohnern von Phandalin eingefunden. Kurz darauf sollte auch Schwester Garaele dazustoßen. Die Phandaliner wollten einen Friedensrichter wählen und baten uns dazu ins Gasthaus.

Unser neuer Gefährte Podri betrat das Steinhügel nicht. Er wartete zwischen den Bäumen auf uns. Aber neben mir wohnte die Mondelfin Enna, die “Sonnenelfin” Nhiltanaa, der menschliche Magier Javic und natürlich Yunnikon der Wahl bei. Fast das ganze Städtchen hatte sich in das Gasthaus gequetscht und es entbrannte gleich eine hitzige Diskussion, wer den Posten des Friedensrichters am würdigsten ausfüllen könne. Was für schnöde Bedürfnisse die Stadtmenschen doch manchmal ersannen. Gab es sich doch viel wichtigerer Tatsachen anzunehmen. Nach vielen feindseligen Reden fiel die Wahl auf Enna im Mondgeflüster. Ich wünsche meiner Gefährtin, dass ihr ihre Wurzeln Kraft und Beständigkeit geben, denn die kann sie in dieser Gemeinschaft gut gebrauchen.

Nach diesem Zwischenfall begab sich Enna zum Schlafenden Riesen, wo sie von einer unhöflichen, krötengleichen Zwergin namens Grista erfuhr, dass in der Mordnacht unsere beiden zwergischen Gefährten mit Lia in der Taverne gezecht hatten. Neben den beiden, war da allerdings noch ein weiterer aus unserer Mitte: Javic.

Währenddessen hatten Yunnikon und ich hinter dem Gasthaus blutige Fußabdrücke entdeckt. Sogleich machten wir uns in Begleitung von Nhiltanaa, Javic und Podri dem Gnom daran der Spur zu folgen. Die Fährte wurde teilweise nur notdürftig mit dem Sand der Straße bedeckt, so fiel es mir nicht schwer ihr bis zur Regentonne im Hinterhof des Gasthauses Steinhügel zu folgen. Ach, hätten wir doch sofort verstanden und den den unheilbringenden, blutroten Schleier gesehen, der meinen geliebten Mond auch in der kommenden Nacht verdunkeln sollte.

Ratlos zogen wir uns auf unsere Zimmer zurück. Als Enna etwas später in Javics Zimmer stürzte, spitzten wir die Ohren. Sie berichtete ihm von ihren ungeheuerlichen Erkenntnissen, also kamen auch dazu. Javic gestand uns, dass er keinerlei Erinnerung an die vergangene Nacht besaß, seine Kleidung fühlte sich aber noch immer klamm und feucht an. In uns allen stieg der unheilvolle Verdacht auf, dass der Besuch am Hain des Einhorns doch nicht die erhoffte Wirkung, die Heilung von der Lykanthropie, erzielt hatte. Wir beschloßen umgehend die magische Lichtung erneut aufzusuchen. In höchster Eile machten wir uns auf den Weg.

Nach dem langen und gehetzten Ritt, suchten wir nach dem Hain und den Schrein der Mielikki vergebens. Bei Einbruch der Dämmerung sahen wir uns daher nach einem Rastplatz um. Eine Lichtung in einer kleinen Baumgruppe erschien uns passend, doch rasteten dort bereits zwei Bergleute. Ein Mann und eine Frau. Sie sahen gewöhnlich aus, doch trugen sie einen Korb bei sich, der in den letzten Sonnenstrahlen bläulich schimmerte. Wir entschieden uns neben ihnen zu nächtigen.

Gerade als ich mich in das weiße Fell meines Gefährten geschmiegt und den erholsamen Dämmerzustand herbeigeführt hatte, wurde ich schon wieder von Kampfeslärm geweckt. Die Mondelfin Enna wurde von den Bergleuten bedrängt. Der Mann hatte sie mit seiner Spitzhacke niedergeschlagen und die Frau schlug mit ihren bloßen Fäusten auf sie ein. Mit vereinten Kräften, Nhiltanaas Säureregen, Javics magischen Geschossen, Yunnikons Fängen und Podris Pranken, der sich in einen Braunbären verwandelt hatte, konnten wir die Schurken überwältigen. Den Mann hatten wir in der Hitze des Gefechts erschlagen und die Frau kreischte hysterisch.

Unter Androhung auch ihr Leben zu beenden verwandelte sich Doppelgängerin in ihre natürliche, graue Gestalt zurück. Die Doppelgängerin, die uns bereits so viel Leid und Ärger zugefügt und sich bereits als Nhiltanaa ausgebeben hatte um uns hinters Licht zu führen und versucht hat den Magier Javic zu ermorden. Wir beschloßen dieses Ungeheuer Namens Vyerith zu fesseln, nach Phandalin zurück zu bringen und sie so ihrer gerechten Strafe zu übergeben.

Gerade hatte sich der trügerische Schein der nächtlichen Ruhe über die Lichtung gelegt, als das größte Übel von Allen über uns hereinbrach. Unser Gefährt Javic verwandelte sich plötzlich in eine Werratte. Er hob diesen unheilvollen dunklen Stab des Drowmagiers in die Höhe, sodass sich das silberne Mondlicht über ihn ergoß, und ließ ihn auf Enna niederfahren. Der Gnom Podri wandelte plötzlich ebenfalls seine Gestalt und so standen mit Yunnikon nun zwei Wölfe auf der Lichtung. Der Schreckenswolf Podri ging auch sogleich auf unseren ehemaligen Gefährten und Freund, die Werratte Javic los und konnte ihn überwältigen. Ich eilte zu Enna und versuchte sie zu heilen. Doch gerade als ich Enna erreicht hatte, verwandelte sich auch die Mondelfin in eine Werratte und biss Podri. Währendessen war die Drow Nhiltanaa geflohen, um nicht Gefahr zu laufen mit dem Fluch der Lykanthropie angesteckt zu werden. Dann legten Javic und Enna jedwede Ähnlichkeit zu ihrem wahren Selbst ab und verwandelten sich in Schreckensratten, nur um ebenfalls in die Weiten der Hügelländer zu fliehen.

Welch Schrecken war nur mit dem Licht dieses Blutmondes über unser Lager hereingebrochen? Mit Pfeil und Bogen, einen angespannten Wolf an meiner Seite, blieb ich in dieser grauenvollen Nacht bereit mich gegen einen weiteren verfluchten Gefährten zur Wehr zu setzen. Ich fragte mich nur ständig, ob Gnome gegen den Fluch der Lykanthropie unempfindlich waren.

Verehrter Reidoth, ich bitte Euch, eilt uns zur Hilfe. Wir müssen diesem Schrecken Einhalt gebieten!

Mögen die Sterne Dir hold sein!

Hochachtungsvoll,
Thia Silberwedel


Die verlorene Mine ist unsere inoffizielle Übersetzung von Lost Mine of Phandelver.

Wer mehr über die Natur unserer Spielberichte erfahren möchte, kann das hier:
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