Spielbericht: Tyrannei der Drachen

Die Rote Hand des Unheils

Das Jahr der Kriegerprinzessin

9. Uktar, 1489 TZ

Irgendwo auf der Hochstraße

harfnerVerehrte Schwester Garaele,

warum nur muss meine Herkunft, besser gesagt meine wahre Gestalt, mich immer wieder in die Einsamkeit treiben! Gerade erst hatte ich Vertrauen zu meinen Kameraden gewonnen, habe mich glücklich und aufgehoben gefühlt, doch nun scheint alles verloren. Ich musste Phandalin und meine Gefährten hinter mir lassen…

Aber eins nach dem anderen.

Das Blut der Schlacht um Phandalin ist noch nicht getrocknet, das Kampfgebrüll der Gelbhäute hallt noch immer durch meinen Kopf und der beißende Rauch brennender Häuser will mich ebenso nicht verlassen.

Gerade hatte sich unsere Gruppe von Abenteurern im Hügelland nördlich der Schwertberge endlich wieder zusammengefunden, als uns dunkle Rauchschwaden am Horizont eine Schreckensnachricht überbrachten: Phandalin stand in Flammen!

Thia überraschte uns im hohen Gras der Hügel und berichtete uns von den Goblins der Roten Hand, die in den frühen Morgenstunden in Phandalin eingefallen waren. Ein Blick hinab ins Tal gab uns traurige Gewissheit über den Verlauf des Angriffs.

Dunkle Rauchschwaden erhoben sich von den Dächern des Städtchens in den grauen Himmel des kalten Herbsttages. Ich vermutete sogleich den grünen Drachen Giftzahn als Brandstifter. Warum kann ich nicht sagen. War der Angriff etwa eine späte Rache dafür, dass wir ihn aus Donnerbaum und seinem Hort vertrieben hatten?

Alle unsere Pläne die Geheimnisse, die sich noch immer um die Wellenhallhöhle rankten, aufzuklären, waren verflogen und wir alle waren uns einig: Auf nach Phandalin, um den Goblins und der Drachenbrut ein für allemal den Gar aus machen!

So ritten wir so schnell wir konnten die Hügel hinab zur Stadt. Wir näherten uns von Süden, über die Felder des Eschenblatthofs. Bereits an den verwitterten Resten der ehemaligen Stadtmauer vernahmen wir das Geschrei der blutrünstigen Angreifer und das Wehklagen der Phandaliner. Einige flüchteten, andere hatten bei einem ähnlichen Vorhaben versagt und so war unser Weg zum Hauptplatz von leblosen Körpern gesäumt.

Als wir die ersten Goblins, Hobgoblins und Käferbären erblickten, ließ Thia eine Nebelwolke aufsteigen. Zwar sahen unsere Feinde uns nun nicht mehr, jedoch ging es uns ganz ähnlich. Nicht einmal meine dunkelelfischen Augen konnten den dichten Nebel durchdringen.

In einem eher kopflosen als mutigen Ansturm ritt unser neuer Kamerad, der Zwerg Oskar Eisenhammer, in die Wolke; an den Gelbhäuten vorbei und auf der anderen Seite wieder heraus.

Wir anderen stiegen von unseren Pferden und stürzten uns zu Fuß ins Kampfgetümmel, immer hoffend einen Feind und nicht versehentlich einen Freund zu treffen. Mehrere Grottenschrate konnten wir niederstrecken, doch ein paar Mal entgingen wir nur um Haaresbreite den Klingen der eigenen Kameraden.

Wir verloren in diesem Gemetzel jedes Zeitgefühl, so dass wir überrascht inne hielten, als sich irgendwann plötzlich der Nebel lichtete. Es hatte den Anschein, dass wir die meisten Goblins erschlagen hatten!

Noch während sich der Nebel des Zaubers verflüchtigte, wurde mein anfänglicher Verdacht bestätigt und der grüngeschuppte Drache Giftzahn flog über uns hinweg.

Wir versuchten dem Scheusal zu folgen und trafen auf unserem Weg durch das verwüstete Phandalin auf Toblen Steinhügel und seine Familie. Die Wirtsleute wollten sich zum ehemaligen Haus Tresendar retten, wo sich laut Toblen die meisten der Phandaliner, in der kleinen Festung von Sildar Winterhalle, verschanzt hatten. Wir baten sie die offenen Straßen zu meiden und stattdessen den Geheimgang im Wäldchen, unterhalb des alten Herrenhauses zu verwenden. Davon wollten die verschreckten Sturköpfe aber nichts wissen. So blieb uns nichts anderes übrig, als den Steinhügels Geleitschutz zu geben.

Hinter dem nächsten Haus stellten sich uns Drachenkultisten, wie wir sie bereits aus den Ruinen von Donnerbaum vertrieben hatten, in den Weg. Die Menschen, Elfen und Zwerge wurden von geschupptem Echsenvolk begleitet, das sich brüllend, mit Keulen und Wurfspeeren bewaffnet, auf uns stürzte. Javic schleuderte ihnen einen Feuerball entgegen und zersprengte die bestialischen Angreifer in alle Winde. Der köstliche Geruch von gebratenem Hühnchen machte sich breit.

Kurz darauf kamen wir am Fuß des Hügels an, auf dem sich das befestigte Herrenhaus erhob. Wir machten uns gerade daran die sandige Straße hinaufzulaufen, da brachen die untoten Hände von Zombies aus dem Boden.

Rangrim und Oskar blieben zurück, bekämpften das unheilige Leben und ermöglichten uns somit die unversehrte Flucht nach vorn. Oben angekommen, wurde meine Freude, endlich den Schutz der Festung erreicht zu haben, allerdings von den entsetzten Rufen der versammelten Phandaliner geraubt: “Eine Drow! … Haltet die Dunkelelfin! … Knüpft sie auf!”

In all dem Aufruhr war mir völlig entfallen, meine wahre Gestalt zu verbergen! Die Miliz umringte mich und wollte mich in den Kerker werfen.

Was blieb mir anderes übrig als zu fliehen?

Ich beschwor einen Zauber, der mich unsichtbar machte und entschlüpfte so der wütenden Meute. Bis zum Einbruch der Dunkelheit versteckte ich mich hinter ein paar Fässern.

Den Rest der Geschichte kennst Du bereits, meine treue Freundin. Ich bin Dir auf ewig zu Dank verpflichtet. Wer weiß, zu welchen Gräueltaten sich die Phandaliner hätten hinreißen lassen, in ihrem blendenden Hass auf meine bösartigen Artgenossen.

Nachdem Du mich durch den Geheimgang geschleust hattest, rannte ich wieder unsichtbar und so schnell mich meine Füße tragen wollten zum Dreieberpfad. Ich ging nach Westen, bis zur Schwertküste. Und nun kann es „Galina Vogelsang“ kaum erwarten, Dich am vereinbarten Treffpunkt wiederzusehen.

In tiefer Dankbarkeit,
Deine Nhiltanaa


Tyrannei der Drachen ist unsere inoffizielle Übersetzung von Tyranny of Dragons.

Wer mehr über die Natur unserer Spielberichte erfahren möchte, kann das hier:
Wie schreibe ich mit?

Ich denke in diesem Fall ist es ausserdem mehr als angebracht noch ein paar zusätzliche Worte zu dem Spielbericht zu verlieren.
Eine fehlende Nummerierung deutet vielleicht schon darauf hin, dass wir Tyrannei der Drachen nur angespielt haben. Ursprünglich war es mein Plan nach dem Starter Set-Abenteuer – Die verlorene Mine (Lost Mine of Phandelver) – auf die erste 5E-Storyline umzuschwenken, die Struktur und der Aufbau eben jener hat mich dann aber dazu bewegt doch die zweite 5E-SL vorzuziehen. Da jedoch schon unsere Mine vor dem Hintergrund der Tyrannei der Drachen angesiedelt war, habe ich Episode 1 von Hoard of the Dragon Queen für Phandalin, die 5. Stufe und 8 Spieler (!) konvertiert.
Es war ein Debakel.

Eigentlich hat alles gut angefangen, denn ich hatte den langen Schatten der Goblins der Roten Hand (natürlich eine kleine Hommage an Red Hand of Doom für unsere „Rich Baker-Kampagne“) bereits über mehrere Spielabende geworfen und die Nachfolger der Bruchzahngoblins, mit ihren Bestrebungen die Riesen der Schwertberge für Ihre Sache zu gewinnen, eingeführt.

Ja, und das beste: es war alles die Schuld der SC, die Targor Blutschwert in den Wäldern von Niewinter hatten entkommen lassen. Für die Tyrannei der Drachen brauchten wir natürlich noch einen Roten Magier, Drachenkultisten und einen Drachen. Auch hierfür sorgten die SC indem sie Giftzahn und die Kultisten aus den Ruinen von Donnerbaum verscheuchten und geradewegs zu den Goblins unter dem drakonischen Befehl von Targor Blutschwert trieben. Den Drachenkultisten gelang es die Gelbhäute zum Glauben an Tiamat zu konvertieren und es fehlte nur noch etwas arkane Feuerkraft. So legte ich die Begegnung am Alten Eulenbrunnen gleich so aus, dass Hamun Kost einfach nur entkommen wollte.
Und dann war alles für ein HotDQ-RHoD-Mashup versammelt: Goblins, Riesen, ein Roter Magier, Drachenkultisten und ein Drache.
Plötzlich sagten alle 8 Spieler zu. Sowas hatte es bis dahin nicht gegeben und nach dieser Erfahrung wird es das auch nicht mehr geben.
Ich hatte also alle Begegnungen für diese stolze Anzahl an SCs angepasst, aber die Probleme fingen bereits vor der ersten Begegnung an. Die Entscheidungsfindung für jede Kleinigkeit dauerte eeewig. Und dann war auch noch die erste Begegnung mit den Trefferpunkt-Bergen von Grottenschraten im magischen Nebel der elfischen Waldläuferin Thia zäh wie Kaugummi. Bis dahin hatten wir schon ca. 50% unserer Spielzeit aufgebraucht.
Anschließend erlöste uns der SC-Magier mit einem Feuerball zwar von einer weiteren Kaugummi-Begegnung, aber die riesige Gruppe war sich nicht einig, was das weitere Vorgehen anbelangte und so geriet alles ins Stocken. Die Gruppe teilte sich nicht wirklich gewollt auf, bis auch noch die Drow völlig vergessen hatte sich zu verkleiden und in die frisch gebackene Festung, die ehemalige Ruine von Haus Tresendar, mit den überlebenden Phandalinern marschierte.
Und wie manche vielleicht wissen ist ja die Festung im Grunde erst der Ausgangsort für die einzelnen Missionen von HotDQ’s Episode 1!
Da die wenigsten Spieler auch am darauf folgenden Spielabend anwesend sein würden, beschloss ich das Experiment an dieser Stelle abzubrechen und die Brechstange in Form eines Zeitsprungs anzusetzen. Die Kavallerie (die Lanzen von Leilon) und Nhiltaanas Verwandschaft (Felgolos, das Fliegende Unglück) retteten Phandalin, seine Bewohner und seine „Helden“ vor der Vernichtung durch die Rote Hand des Unheils.
13 Spielabende später bin ich retrospektiv sehr glücklich mit dieser unkonventionellen Entscheidung, mit der ich damals sehr gehadert hatte.
Was ich als SL daraus gelernt habe:
1.) 8 Spieler sind einfach zu viel!
2.) Viele vermeintlich schwächere Gegner in der 5E können zu laaangwierigen Begegnungen führen!
3.) Manchmal muss man über seinen Schatten springen und neue Wege gehen!

 

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