Spielbericht: Die Prinzen der Apokalypse #5

Das Schreckgespenst

Das Jahr der Roten Hexe,
21. Mirtul, 1491 TZ
Schwertberge

enklaveHochverehrte Haeleeya Hanadroum,

immer wieder sehe ich diese toten Augen vor mir. Wie glühendes Eisen frisst sich ihr unnatürliches Licht in mein Fleisch und droht mich zu verzehren…

Nur ein Zehntag war vergangen, da ich in der Feste Flusswacht, von Angesicht zu Angesicht mit einem Haifisch gekämpft habe und diesen in die Flucht schlagen konnte. Wie stolz ich damals war. Lächerlich. Als wir kurz nach der Schlacht am unterirdischen See wieder an die Oberfläche kamen, trafen wir dort auf einen Trupp von Rittern die auf Pferdegreifen ritten. Auch wenn ich schon von diesen Wesen gehört hatte, so schlägt einem doch das Herz schneller, wenn man sie zum ersten Mal mit eigenen Augen erblickt. Und erst ihre stattliche Anführerin. Savra Belabranta! Was für eine Frau! Wäre ich nur doppelt so groß und halb so alt…

Die Ritter wollten scheinbar die Feste sichern und erzählten uns, dass Enna, Nilthana und Javic auf die andere Flussseite übergesetzt hatten, um dort einem Schwarm von Aasfressern nachzustellen. Unsere beiden Zwerge, Oskar Eisenhammer und Rangrim Frostbart, wollten die Feste nicht verlassen und so bin ich allein ans andere Ufer des Dessarin geschwommen, um unsere Gefährten zu unterstützen. Wer braucht schon einen Pferdegreifen, _wenn er so durch das Wasser schweben kann_. Am Grund des Flusses war die Strömung kaum noch spürbar.

Wieder zu Lande fand ich schnell die Spur meiner Gefährten, die in der Zwischenzeit die Überreste der verschwundenen Gesandtschaft aus Mirabar gefunden hatten. Wie es schien waren die Reisenden in einen Hinterhalt geraten. Wir machten uns daher auf den Weg zur Gipfelhalle, um den Rittern von Samular vom Fund dieses finsteren Ortes des Blutvergießens zu berichten.

Wir trafen auf dem Weg dorthin auf eine merkwürdige Gruppe von verschwiegenen Mönchen mit verbundenen Augen. Es schien sich demnach um eine Pilgerstätte der Tyranhänger zu handeln und durch die Rückkehr des Blinden Gotts wieder vermehrt aufgesucht zu werden.

Dort angekommen wurden wir unter einen Wahrheitszauber gestellt und befragt. Wie befreiend es war dieser Dunkelelfe endlich zu sagen, dass ich sie verabscheue! Kein Wunder, dass die Ritter sie in Gewahrsam nahmen und über ihr Leben richten wollten. Ich glaube noch immer nicht, dass dieses dunkle Volk in einem rechtschaffenen Licht wandeln kann. Am Ende unserer Befragung gab uns die Dame Uschien Sturmbanner einen wichtigen Hinweis. Die goldene Gargylenmaske, welche meine Gefährten bei den toten Wachen der Gesandschaft gefunden hatten, wird scheinbar von den Mönchen des Heiligen Steins getragen.

Wir begaben uns also auf schnellstem Weg zu diesem Kloster. Ohne die Drow! Die wurde von den Rittern weggesperrt.

Am Kloster angekommen wollte ich zunächst nach dem Rechten sehen und machte mich daran als Spinne das Gebäude zu umrunden. Würde man eigentlich annehmen eine kleine Spinne fiele nicht auf, wurde ich doch schnell eines Besseren belehrt. Schon nach der ersten Ecke kletterte ich durch die Ritzen eines vermauerten Fensters und spähte ins Dunkel eines staubigen Raumes, bis sich mir eine düstere Gestalt zuwandte.

Diese Augen, immer wieder sehe ich diese toten Augen vor mir. Wie glühendes Eisen frisst sich ihr unnatürliches Licht in mein Fleisch und droht mich zu verzehren…
Ohne auch nur einen Moment zu zögern, schoss der Untote einen magischen Pfeil aus Säure auf mich, der mich augenblicklich aus meiner Gestalt riss. Das Mauerwerk in der Fensteröffnung wurde von meiner wachsenden Gestalt gesprengt und quetschte mir beinahe den letzten Rest von Leben aus meinem Gnomenkörper. Nur mit Mühe konnte ich einige Wolfsgefährten zu Hilfe rufen, die den Leichnam ablenkten bis ich geflohen war.
Hals über Kopf stürmte ich aus dem Kloster, nur um davor von lebhaften Wasserspeiern angegriffen zu werden. Was für ein Ort? So unheilig. So unnatürlich! Das letzte an das ich mich erinnere ist der Biss eines der Elementare, der Gargylen.

Ich muss nahezu einen Zehntag geschlafen haben. Bei meinem Erwachen saß Rangrim treu an meiner Seite und musterte mein Gesicht. Gerne hätte ich ihm gesagt, dass wieder alles in Ordnung sei, aber die glühenden Augen waren nicht aus meinem Geist verschwunden. Wie könnte ich daran denken wieder an diesen Ort zurückzukehren? Wie könnte ich meinen Gefährten ins Gesicht sagen, dass ich zu feige bin sie in dieser schweren Stunde zu begleiten.

Den Rückgratlosen bleibt nur die Flucht; alles hinter sich zu lassen…

Wie in Trance schrumpften meine Arme und dunkle Federn sprossen aus meiner Haut. Ein Krächzen kam über meine Lippen, die sich daraufhin in einen schwarzen Schnabel verwandelten. Dann flog ich davon und konnte unter mir nur noch eine Gruppe von Humanoiden in Richtung der Feste wandern sehen, während ich mich immer weiter in den Himmel aufschwung.

Nun sitze ich hier auf einem Gipfel der Schwertberge. Während ich diese Zeilen schreibe kommen immer wieder dieselben Fragen in den Kopf: Werde ich jemals nach Rotlärche und in die Sumberhügel zurückkehren? Werde ich sie jemals wiedersehen? Mich jemals entschuldigen können?

Ich hoffe wenigstens Ihr versteht mich.

In tiefer Verbundenheit, Podri Silberblick


Die Prinzen der Apokalypse ist unsere inoffizielle Übersetzung von Princes of the Apocalypse.

Es handelt sich um die Fortsetzung unserer ersten 5E-Kampagne die mit Die verlorene Mine (Lost Mine of Phandelver) begann und uns über die Tyrannei der Drachen zu dieser Storyline geführt hat.

Wer mehr über die Natur unserer Spielberichte erfahren möchte, kann das hier:
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Spielbericht: Die Prinzen der Apokalypse #5

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