Spielbericht: Die Prinzen der Apokalypse #8

Das Jahr der Roten Hexe,
Flammleite, 1491 TZ
Westbrücke

Liebste Mama,

bald nährt sich der Jahrestag, an dem Ihr mir genommen worden seid. Kein Tag ist seit dem vergangen, an dem ich nicht an euch gedacht habe. Ich kann mir nicht helfen. Langsam fange ich an Papas Lachen zu vergessen. Und den Duft deiner Haare. Jacobs sanfte Gesichtszüge verschwimmen in meiner Erinnerung. Ich würde alles dafür geben das Geschehene rückgängig zu machen. Ich vermisse euch so schrecklich. Dies ist bald der zehnte Brief, den ich Dir schreibe. Es ist, als würde ich mit Dir sprechen. Ich kann deine Antwort hören, im Moment noch klar, aber immer weiter entfernt sich deine Stimme. Ich schreibe Dir diese Zeilen um mich an Ihnr festzuhalten, um mich an Euch festzuhalten.
Monatelang fühlte ich mich als sei ich ganz allein auf dieser Welt. Alles hatte an Bedeutung verloren. Ich war so machtlos, es war wie eine Lähmung. Und dann kam die Wut. Die Wut auf meine Tatenlosigkeit und die Wut auf eure Henker. Es brodelte in mir und allmählich nahm eine Gewissheit Gestalt an. Ich werde Euch rächen.

Ihr müsst euch auch keine Sorgen machen, ich bin gut aufgehoben. In meinem letzten Brief erzählte ich Dir von der Gruppe, auf die ich gestoßen bin. Eine kräftige Kriegerin, ein überaus begabter Magier und ein gerissener Barde. Eine seltsame Zusammenstellung, aber immer mehr komme ich zu der Überzeugung, dass sie mir noch hilfreich sein werden.
Nachdem wir erst vor kurzem einige Gefangene aus den Gewölben des Klosters, von dem ich dir erzählt habe, befreit hatten, sind wir nun wieder in die alten Gemäuer zurückgekehrt. Es ist ein wahrlich schauderhafter Ort.

Die Mönche sind verschroben und geheimnisvoll, sie trauen keiner Seele. Vor Ihren Gesichtern tragen sie Masken steinerner Figuren, so dass man ihr wahres Gesicht nie zu sehen bekommt. Im Ostteil des Klosters befindet sich ein Garten der wohl nie betreten wird. In ihm stehen gespenstische Statuen die nicht nur entsetzlich echt aussehen, sondern wohl tatsächlich arme versteinerte Seelen zu sein scheinen.

In den Gewölben unter dem Klosters hausen Orks, um die Gefangenen zu bewachen und was noch tiefer in den Katakomben vor sich geht wage ich nicht mir vorzustellen. Den Schlüssel für die eiserne Tür, die den Zugang zu den Katakomben versperrt haben wir immer noch nicht gefunden, aber dafür zwei gigantische Minotauren erledigt – pha, das war ein Spaß! Du hättest dich bestimmt aufgeregt, aber dem Papa hätt’s gefallen.

Die Bogenübungen waren nicht umsonst, ich visiere wie ein Falke, aber die Minotauren hat letztlich Enna, die Kriegerin von der ich dir schon geschrieben habe, erledigt. Sie ist kräftig wie ein Bär und nicht nur damit die seltsamste Elfin der ich je begegnet bin.
Vier Mönche haben wir durch den ganzen Lärm auf uns aufmerksam gemacht. Ohne ein Wort zu verlieren sind sie auf uns losgegangen, von da an haben wir niemanden mehr verschont.

Im Skriptorium der Mönche fanden wir einige Schriftrollen. Javic und Solanhis hätten wahrscheinlich Tage in dem Raum verbringen können und ich bin mir sicher du denkst ich hätte es ihnen gleich getan, aber mir steht nicht mehr der Sinn danach mich in Büchern zu vergraben, ich wüsste nicht wofür.

Das gruseligste an diesem Kloster sind die steinernen Statuen, denn einige verwandeln sich zu lebenden Wesen! Und zwar nicht zu solchen die man streicheln will. Vier von ihnen haben uns angegriffen mit ihren scharfen Krallen. Es sind flinke Viecher, schwer zu erwischen, aber Solanhis scheint ihren Angriffspunkt gefunden zu haben. Die meisten flohen oder erlagen seinen Verwünschungen, es war herrlich mit anzusehen.

Diesmal sind wir übrigens auf die Äbtissin getroffen, glauben wir zumindest. Eine gewaltige und feindselige Frau. Wir haben sie im Kampfübungen mit vier Mönchen überrascht, was sie jedoch überhaupt nicht aus der Ruhe gebracht hat. Ich kann dir nicht mehr sagen, wer angefangen hat, aber innerhalb eines einzigen Augenblickes waren wir verstrickt in einen Kampf gegen diese mächtige Kriegerin und ihre vier Beschützer. Die Mönche hatten wir schnell im Griff, nur der Kampf gegen die Äbtissin schien mir fast aussichtlos. Sie war so schnell und wendig wie eine Schlange und Mama, du glaubst es nicht, absolut blind! Ja, ihre Maske hatte kein Augenlöcher. Und dennoch schien sie jedem einzelnen von uns überlegen. Aber irgendwie schaffte ich es trotzdem ihr zwei Pfeilen in die Brust zu jagen und hatte Glück, denn der zweite Schuss war tödlich. Um den Hals trug sie ein ledernes Band mit einem kleinen Schlüssel daran. Wie ich schon geschrieben habe, leider nicht der Schlüssel zum eisernen Tor in die Katakomben, aber ich habe ihn dennoch behalten – man weiß ja nie!
Wir haben im Kloster noch so einige Schätze gefunden: viele Silber- und einige Gold- und Platinmünzen, ein Dutzend Edelsteine in eine Kuhhaut gewickelt, zwei Armreife und sehr kunstvoll gefertigte Priesterkleidung. Außerdem scheinen die Mönche ein hervorragendes Gebräu herzustellen von dem wir uns einige Flaschen mitgenommen haben.

Zwei der Kuttenträger haben wir als Gefangene mit zur Feste Flusswacht genommen, in der Hoffnung sie können uns etwas sagen darüber, was es mit dem Kloster oder der Kirche der Schwarzen Erde auf sich hat, aber nach dem ersten Gespräch scheinen sie dabei nutzlos zu sein.

Nun werde ich mir überlegen, ob ich bei der Gruppe bleibe oder wieder auf eigene Faust weiterziehe. Dem Feuerkult bin ich kaum näher gekommen, aber ich fühle mich auf seltsame Weise das erste Mal seit Monaten geborgen.
Liebste Mama, ich würde dich gerne in den Arm nehmen.
Ich tue es in Gedanken.


Alles Liebe,
Layla


Die Prinzen der Apokalypse ist unsere inoffizielle Übersetzung von Princes of the Apocalypse.

Es handelt sich um die Fortsetzung unserer ersten 5E-Kampagne die mit Die verlorene Mine (Lost Mine of Phandelver) begann und uns über die Tyrannei der Drachen zu dieser Storyline geführt hat.

Wer mehr über die Natur unserer Spielberichte erfahren möchte, kann das hier:
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Spielbericht: Die Prinzen der Apokalypse #8

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