The Ultimate Guide to Remarkable Inns?

Gute Geschichten fangen in Tavernen an! Ja, das ist eigentlich nur ein D&D-Klische, welchem ich aber 2018 dennoch folgen möchte. Denn was Matt Mercer darf, dürfen wir anderen alle auch! So wird unsere 3. 5E-Kampagne am 3.3. in einer Taverne eingeläutet.

RemarkableInns-LoreSmyth-CoverDTRPG

Allerdings soll dieser Beitrag keine Erzählung oder Eintrag in unser Reisetagebuch werden, sondern eine Rezension. Und zwar von LoreSmyth’s Ultimate Guide to Remarkable Inns & Their Drinks (LSUGtRI) aus dem Hause LoreSmyth Publishing. Es handelt sich dabei um einen Erweiterungsband zu Gasthäusern.

Laut Herausgeber sytemagnostisch („Compatible with any tabletop RPG system.“), doch dazu kommen wir noch.

Bevor ich voll in die Rezension einsteige, möchte ich noch festhalten, dass ich ein kostenfreies Rezensionsexemplar des PDFs erhalten und deshalb auch nur die digitale Version beurteile. Wir haben über die Jahre diverse Inkarnationen des RSP-Klassikers D&D gespielt (AD&D 2E, 3.0, 3.5, 3P und mittlerweile die 5E), aber nicht viel darüber hinaus, so werde ich dieses „systemneutrale“ Produkt durch eine gewisse Linse begutachten.

Auf 80 Seiten (Cover, Impressum, Inhaltsverzeichnis, Open Gaming License und  Werbeanzeigen nicht mitgezählt) beschreiben die Autoren Greg Rycerz, Katie Rose, Richie Lewin und Chris van der Linden fantastische Gasthäuser, bieten Regeln an solche mit Spielwerten darzustellen und zahlreiche Anregungen in Tabellenform sie auszuschmücken.

Die PDF-Datei ist 21,5 MB groß. Das Inhaltsverzeichnis besteht aus Hyperlinks, was wirklich praktisch ist. Zudem ist die Datei natürlich durchsuchbar. Ich verwende das Dokument auf einem iPad mini und es funktioniert alles hervorragend. Nur die schönen doppelseitigen Illustrationen kommen einzig und allein in der Seitenübersicht mit Vorschau-Miniaturen heraus, aber ich denke hier kann man den Herausgebern bei diesem Format keinen Vorwurf machen. Ausserdem bekommt man neben dem PDF noch den Ordner „Extras“ mit JPG-Dateien dieser stimmungsvollen Schönheiten.

Der Guide ist in drei Sections bzw. Kapitel gegliedert:

Section 1: Remarkable Inns beschreibt 6 vorgefertigte bemerkenswerte Gasthäuser (siehe weiter unten).

Section 2: Bringing Your Inns to Life erklärt soetwas wie die 6 „Attribute“ von Gasthäusern, die auch schon in Section 1 Verwendung fanden.

Section 3: Create your own Inns beinhaltet schließlich zahlreiche Tabellen, um selbst erdachte Gasthäuser mit mehr Details und Tiefe zu versehen, als es für gewöhnlich Abenteuer und Quellenbände so tun.

Section 1: Remarkable Inns

Das Studium von LSUGtRI gibt einem spätestens zu Beginn des ersten Kapitels das Gefühl im Schankraum von Kote (aus Patrick Rothfuss‘ Kingkiller Chronicle) zu sitzen. Und das ist für mich ein großes Kompliment!

Jedes der 8 Gasthäuser wird zunächst mit einem kleinen Stat Block beschrieben und anschließend wird grob gesagt auf folgende Themen eingegangen:

Innkeeper & Staff
Notable Patrons
Acommodations
Rumors & Secrets
Food & Drinks

Individuelle Besonderheiten, die von Gasthaus zu Gasthaus völlig verschieden waren.

Die NSC-Beschreibungen konzentrieren sich auf die jeweilige Rolle im Etablissement, ggf. die Hintergrundgeschichte und oftmals daraus resultierende Plot Hooks. Da der LSUGtRI systemagnostisch ist, besitzt auch keiner der NSCs einen ausgewachsenen Stat Block. Ähnlich wie in den 5E-Publikationen werden diese lediglich in folgendem Format beschrieben: Jameson Boonsall (male human commoner).

Es sollte SLs also nicht schwer fallen passende Spielwerte zu finden. Lediglich mit avian, felinid, feyling, changeling habe ich mir auf Anhieb schwer getan. Aber auch das ist nicht weiter problematisch aarakocra, tabaxi, Dungeon Masters Guild sei Dank und Doppelganger oder Unearthed Arcana sei Dank! Manche NSCs haben zudem das Prädikat Battlemaster; siehe hierzu Section 2.

Neben der Örtlichkeit und den dort anzutreffenden Persönlichkeiten, werden natürlich auch Speis und Trank beschrieben.

Spätestens hier hört es mit der vollständigen Systemunabhängigkeit auf, da sich die Verköstigung unter anderem auf klassische D&D-Abilities (Attribute, wie Stärke usw.), Hitpoints (Trefferpunkte, welche nicht jedes System kennt) oder Resistance (Resistenzen gegenüber gewisse Schadensformen) auswirken kann. Ich sehe LSUGtRI deshalb sehr stark in der D&D-Ecke mit einer Tendenz zur 5E (welche ja verhältnismäßig leicht zu konvertieren ist).

Jedes der vorgestellten Gasthäuser hat seine eigenen Spezialitäten; und Section 2 wartet mit zahlreichen weiteren für Eigenkreationen auf.

Der Genuss dieser Köstlichkeiten hat überwiegend auch regeltechnische Auswirkungen, die ich oftmals verhältnismäßig stark finde. Oder anders formuliert, die Leistung ist für den Preis tendenziell ganz schön hoch. Aber ich glaube es gibt dabei nichts Spielspass gefährdendes und alles ist natürlich in Relation zur Magiestufe der eigenen Kampagne zu betrachten.

In meiner kommenden Kampagne wird jedenfalls nicht jede Gaststätte einen magischen Mittagstisch anbieten, wenn ihr versteht was ich meine.

Was mich daran gestört hat:
Die Systematik, wie jedes Gasthaus vorgestellt und beschrieben wird ist unterschiedlich. Beispielsweise ist mal von „Innkeeper & Staff“ die Rede, mal von „Proprietor & Staff“; mal sind es „Notable Patrons“, mal „Regular Patrons“; mal gibt es „Acommodations“ mal nur „Sleep Beneath The Trees“ und „Luxury Suits“. Ja, das können unterschiedliche Dinge  und Sachlagen sein, was jedoch nicht unbedingt der Fall war und auch nur bedingt Sinn macht.
Das mag für manche überhaupt kein Thema sein, aber ich habe in einem Erweiterungsband gern ein durchgängiges System bzw. sich wiederholendes Format, in dem ich mich mit jedem Eintrag besser und schneller zurechtfinde. Selbst wenn sich Überpunkte wiederholt haben, so waren diese oftmals an unterschiedlichen Orten angeordnet bzw. in einer ungewohnten Reihenfolge aufgeführt.

Was mir sehr gut gefallen hat:
Zunächst war ich enttäuscht, dass die tollen Charakterskizzen der NSCs irgendwie verpixelt schienen und es keinerlei Karten für die Gasthäuser zu geben schien. Ihr erinnert euch an den zusätzlichen Ordner „Extras“, der mit dem PDF kam? Darin sind auch alle Illustrationen der NSCs in guter Auflösung abgelegt. Leider bekamen nur drei Etablissements eine Karte, aber die sind dafür sehr gelungen!
Die wundervolle Stimmung die beim Studium von LSUGtRI entsteht, habe ich ja bereits beschrieben. Was ich noch nicht deutlich genug gemacht habe ist die hervorragende Optik des Erweiterungsbandes. Das Layout, die Illustrationen (überwiegend Skizzen) und anderen graphischen Elemente sind wirklich gut oder entsprechen stark einer Ästhetik, von der ich mich im Moment sehr angesprochen fühle. Selbst das Art Recycling, was wirklich nicht mag, ist sehr geschickt und unauffällig eingesetzt worden.

Section 2: Bringing Your Inns to Life

Jedes vorgefertigte Gasthaus im ersten Kapitel besitzt folgende acht Eigenschaften oder „Attribute“:

Wealth
Prices
Security
Authority
Rooms
Services
Talent
Disposition

… und die damit verknüpften Regeln werden nun in diesem Kapitel erläutert.

Ich persönlich habe im Grunde sehr wenig Interesse an solchen Subsystemen und möchte daher auch hier nicht näher darauf eingehen. Das Gute aber ist, dass der fehlende Wunsch diese Regeln zu verwenden, diese „Attribute“ dennoch nicht obsolet werden lassen! Jene Eigenschaften von Gasthäusern erinnern irgendwie stark an die Bewertungskriterien eines gewissen Volothamp Geddarm, der zu 2E-Zeiten eine Reihe an bemerkenswerten Volo’s Guide to … verfasst hat. Sie könnten also durchaus auch IC Verwendung finden und sind in ihrer Darstellungsform sehr intuitiv zu deuten.

Darüber hinaus finden sich in diesem Kapitel Ideen zu folgenden Themen:

Wealth & Prices
Lodging & Services
Work & Training
Outlandish Dishes & Drinks
Games & Gambling
Extraordinary Games
Songs & Tales
Duels & Bar Fights

Was mich daran gestört hat:
Ich persönlich brauche keine ausgeklügelten Subsysteme. Manchmal gibt es Listen aus einzelnen Stichpunkten und manchmal gibt es Listen in Form von Zufallstabellen. Warum?

Was mir sehr gut gefallen hat:
Tatsächlich jede Menge Material, um Gasthäuser zum Leben zu erwecken!

Section 3: Create your own Inns

In diesem Kapitel finden sich 15 Zufallstabellen mit denen eigene Gasthäuser, die Leute darin und deren Geschichten bestimmt werden können.  Die Tabellen lassen sich in folgende drei Gruppen gliedern:

Structure & Location
Creating the Innkeeper & Servants
100 Story Hooks For Your Inn

Natürlich muss man nicht alles dem Zufall überlassen, sondern kann sich bedenkenlos an den ziemlich großartigen Listen bedienen.

Was mich daran gestört hat:
Das Kapitel ist im Verhältnis zu den beiden anderen etwas kurz.

Was mir sehr gut gefallen hat:
Es ist trotz der Kürze mehr da, als ich mir aufgrund der Kapitelübersicht vorgestellt hatte. Und es war alles da was ich so auf Anhieb für ein entsprechendes Unterfangen benötige (sieh Härtetest weiter unten).

Härtetest

Ich habe LSUGtRI dreifach erprobt, um ein Gefühl für den Erweiterungsband „im Spiel“ zu bekommen, auch wenn ich ihn erst ab März in unserer neuen Kampagne einsetzen werde.

Test 1: Name Generator
Ich habe vor kurzem mit dem Namensgenerator aus dem DMG versucht eine Taverne in Morr Thuris, der Metropole unseres Avalons zu benennen, und bin mit den 20 Ergebnissen nicht glücklich geworden. Nachdem ich LSUGtRI hatte, habe ich es mit dem Namensgenerator aus Section 3 nochmal versucht und fand bereits die ersten fünf Namen besser als die aus dem DMG!

Test 2: Creating My Own Inn
Ich habe mit Hilfe von LSUGtRI den Gasthof Zum Goldenen Greifen erschaffen, der in Morr Thuris‘ Nobelviertel Wolkenheim zu finden ist. Es war wirklich angenehm mit Section 2 und Section 3 seine Gedanken zu konkretisieren. Sobald die SCs unserer neuen Kampagne sich mit Kristallgläsern an einem der begehrten Tische zuprosten durften, gibt es hierzu auch mehr beim Tintenteufel zu lesen.

Test 3: Conversion
Die Konversion bzw. Implementierung der vorgefertigten Gasthäuser aus Section 1 in Avalon, unser Homebrew Setting, und in die Vergessenen Reiche, ein ziemlich beliebtes „offizielles“ Setting, funktioniert problemlos.

Résumé

Ich persönlich kann die Frage aus dem Titel dieser Rezension mit einem entschiedenen Jein beantworten.

Nein, weil ein paar Schnitzer, wie unterschiedliche Benennungen von wiederkehrenden Elementen, drin waren und es ein paar Dinge gibt die mir einfach noch zu einem ultimativem Erweiterungsband über Gasthäuser fehlen (bspw. ausgearbeitete Begegnungen, dauerhafte magische Gegenstände zum Kontext und noch ein paar Karten, vielleicht sogar ein modularer Baukasten).

Ja, weil es der beste Guide oder Erweiterungsband zu Gasthäusern für D&D (5E) ist, den ich kenne! Aber das sind zugegebener Maßen so explizit nicht viele.

Und mit einem Ja zum LSUGtRI (LoreSmyth’s Ultimate Guide to Remarkable Inns & Their Drinks) möchte ich diese Rezension auch abschließen, denn es ist ein sehr schöner Erweiterungsband geworden. Ich hätte es keinesfalls bereut das PDF ($9.99) zu kaufen, denke darüber nach das Softcover ($14.99) zu erstehen, aber nicht das Hardcover ($24.99).

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2 Gedanken zu “The Ultimate Guide to Remarkable Inns?

  1. Greg Rycerz schreibt:

    >Das Studium von LSUGtRI gibt einem spätestens zu Beginn des ersten Kapitels das Gefühl im Schankraum von Kote (aus Patrick Rothfuss‘ Kingkiller Chronicle) zu sitzen

    Thank you! This is the best compliment I’ve heard yet. :)

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